416 Zweites Buch. Zweites Capitel.
Repräsentanten des altpreussischen Regimes fand, die starkan Stock und Zopf erinnerten, den Schul- und Consistorial-rath voll von Säure und Bitterkeit auch gegen die katho-lische Kirche". Seit seine Frau, eine geborene Berlinerin,zum Katholicismus übergetreten war, sehnten sich Beide ausdem protestantischen Pommern in eine katholische Provinzzu kommen; ihr Wunsch wurde erreicht, da Lorinser 1826zum Medicinalrath in Oppeln ernannt wurde. Aber auchhier hatte er zu klagen; denn die schlesischeKirche schien ihm„in ihren Gliedern mehr oder minder erstarrt, gebunden vonder weltlichen Macht, von Unglauben, Protestantismus undAufklärung durchsäuert, würdelos und kaum einer selbststän-digen Bewegung mehr fähig" zu sein, und da er durch persön-lichen Verkehr mit Jarcke und „durch die Schriften von Haller,de Maistre, Burke, Schlegel, Hügel zu hohen Ideen gelangt"war, fühlte er sich gedrückt in seiner Beamtenstellung, inder von ihm verlangt wurde, dass er „ein gefügiges Werk-zeug des herrschenden Centralisations-Systems, ein Glied derBureaukratie" sei.- Nach diesen Aeusserungen seiner Selbst-biographie*) erscheint es sehr begreiflich, dass Lorinser den
*) Da diese Selbstbiographie erst 1864 von Lorinsers Sohn her-ausgegeben wurde, konnte sie in den unmittelbar durch seinen Auf-satz veranlassten Schriften nicht berücksichtigt werden; sie ist aber,soweit ich sehen kann, auch in der späteren Literatur nicht beachtet,auch nicht bei dem Wiederabdruck des auf Lorinser bezüglichen Ar-tikels von Deinhardt in der 2. Aufl. von Schmids pädagogischer En-cyclopädie IV, 692 ff. Begreiflicher Weise hat hier D. seiner Verwun-derung darüber Ausdruck gegeben, dass Lorinser nie später versuchthabe gegen die vielen Widerlegungen und Angriffe, welche die vonihm herausgeforderten Pädagogen gegen ihn veröffentlichten, seine Be-hauptungen öffentlich zu rechtfertigen; in seiner Selbstbiographie er-klärt Lorinser, die Sache habe ihm im Ganzen ebensoviel Genugthunngals Verdruss bereitet, im weiteren Verlauf aber einen wirklichen Ekelverursacht, der ihn gehindert darüber noch ein öffentliches Wort zusagen. Erst 1842, als der Lärm schon nachgelassen, habe er sich inBd. IX u. X der Historisch-politischen Blätter über „Leben und Schule"wieder vernehmen lassen. Gleich im Beginne der drei hier gegen den„Humanismus und Encyclopädismus" gerichteten Artikel sucht L. nach-zuweisen, dass der wahre Ursprung der neueren antireligiösen Er-ziehung bis in die Zeit des 16. und 15. Jahrhunderts hinaufreiche: „derLostrennung der Wissenschaft von Gott folgte die Emancipation der