Anfänge der Realschulen. Erstes Realgymnasium. 413
den Erfahrungen von 44 Jahren wurde 1868 die Bezeichnungder Anstalt als Realgymnasium aufgegeben; mit Freude lasSchulze in der Vossischen Zeitung, dass sie im Begriff stehe„ihren Zwittercharakter als Realgymnasium abzulegen undsich zu einem Vollgymnasium umzugestalten". „Unsere Zeit,schrieb er bei diesem Anlass, will ganze Elementarschulen,o-anze Bürgerschulen und ganze Gymnasien und nach demvollendeten Cursus in den Bürgerschulen für diejenigen,welche sich einem bürgerlichen Gewerbe widmen wollen,solche Einrichtungen des Unterrichts, welche sie in den Standsetzen, sich die für ihren speciellen Beruf nöthigen Kennt-nisse und Fähigkeiten anzueignen. Die geringe Schülerzahlin den beiden oberen Klassen fast aller Realgymnasien weistschon auf die unzweckmässige dem wirklichen Bedürfnissenicht entsprechende Organisation dieser Anstalten hin."
Durch weitere Erfahrungen ist Schulze so in seinenBedenken gegen die pädagogischen Anschauungen und Be-strebungen bestärkt, welche zusammen mit dem BerlinerOberbürgermeister auch hohe Staatsbeamte vertraten; auchThiersch weist darauf hin, welche Unterstützung sie durchden Widerwillen des „verdienten und gewichtvollen" Finanz-ministers von Motz gegen das System der humanistischenErziehung erhielten. Und in diesem Punkte waren dieeifrigen Vorkämpfer reactionärer Tendenzen, so wenig siesonst mit dem kühnen nationalen Reformer gemein hatten,völlig mit ihm einverstanden. Schon oben ist erwähnt,wie in der 1821 von Wittgenstein dem König übermittel-ten Denkschrift das seit 1809 herrschende Erziehungs-system bekämpft und die Beförderung der praktischenWissenschaften empfohlen war, um dadurch der geistigenThätigkeit eine von gefährlichen Speculationen ablenkendenutzbringende Richtung zu geben, wie Kamptz für Dispen-sationen vom Unterricht im Griechischen und gegen dessenBetonung bei dem Abiturientenexamen eintrat; von sehr ver-schiedenen Gesichtspunkten aus begegneten sich so einfiuss-reiche preussische Staatsmänner in der Abneigung gegen dieclassisch-philologischen Studien und Lehrer mit manchenGeistlichen, bei denen verwandte Stimmungen eben in dieser