356 Zweites Buch. Zweites Capitel.
grell, in der Erklärung der Unreife etwas Unschickliches.„Sollte es nicht, äusserte er, ungleich passender, gerechterund vor Missbrauch und Missdeutung sichernder sein, wennan die Stelle jener Titel Reif und Unreif eine dreifache Be-stimmung der Censur träte? Die erste erhielten bloss dieAusgezeichneten, die zweite die zur Akademie Fähigen. Werdie dritte erhielte, d. i. für unfähig befunden würde, gingedadurch des Schulzeugnisses verlustig und bekäme, wenn erdenuoch die Schule verlassen wollte, bloss ein Attest, dasser sich zwar zur Prüfung gestellt, aber da er nur die dritteCensur erhalten, kein Schulzeugniss erhalten könne. Allen-falls könnte darin auch bemerkt werden, ob es an seinemUnfleiss oder an Mangel der Fähigkeiten liege. Sollten in-dess die bisherigen Benennungen der Maturität und Immatu-rität beibehalten werden, so würde doch auf jeden Fall nochein Medium verstattet werden müssen, weil, wenn man dieBeschaffenheit und Verschiedenheit derer aus Erfahrung kennt,die immaturos zu nennen eine Unbilligkeit sein würde, alsowie weit sie auch von den Vorzüglicheren abstehen, dochimmer mit ihnen unter die gleiche Kategorie der Reife kom-men müssen, man nothwendig urtheilen muss, dass das höhereVerdienst zu sehr unter der Menge der Mittelmässigenübersehen werde." Auch war bereits von Niemeyer hervor-gehoben, dass zur Erreichung des Zieles, das man bei diesenPrüfungen im Auge habe, besonders wichtig die Durch-. führung eines „dem wahren Zwecke einer gelehrten Schuleentsprechenden Lehrplanes" sei, die genau mit der Frage zu-sammenhänge, was man von einem jeden Abgehenden mitRecht fordern könne. Dadurch, dass nun in der Instructionvon 1812 bestimmt solche Forderungen im Einzelnen vor-geschrieben wurden und nur die Zeugnisse der gelehrtenSchulen, von deren Zöglingen nach ihrer Einrichtung ihreErfüllung zu erwarten war, solche Bedeutung für die Uni-versitätsstudien und im Zusammenhang damit, durch eineebenfalls 1812 erlassene Verfügung, diese Schulen allein denNamen Gymnasium zugesprochen erhielten, wurden alsoWünsche erfüllt, die bereits von den vor 1806 in Preussenmassgebenden Pädagogen geäussert waren; aber deutlich tritt