Wittgenstein, Beckedorft u. Schultz gegen das Ministerium. 329
dieses seines Gesinnungsgenossen übersandte nun Anfang De-cember 1820 Wittgenstein an Schultz mit der dringendenBitte, sich ebenfalls an der Ausarbeitung des Gutachtensüber das Unterrichtswesen zu betheiligen; noch in demselbenMonat setzte er durch, dass der König, wie Schultz gewünschthatte, durch eine eigens hierzu erlassene geheime Cabinets-ordre diesen, Beckedorff, den Bischof Eylert und denConsistorialrath Snethlage beauftragte ihre Ansichten überden gegenwärtigen Zustand des Schul- und Erziehungswesensin Preussen und über die zweckmässigsten und sicherstenMassregeln zu dessen Verbesserung in einem Bericht dar-zulegen. Mit dem Entwurf dieses Berichts wurde von seinenMitcommiss'aren Schultz betraut; im Februar 1821 wurde erdurch Wittgensteins Vermittlung dem König eingereicht.
In ihm wurde das seit 1809 im preussischen Staateherrschende System des Schul- und Erziehungswesens, dasvon Fichte und Schleiermacher ausgegangen sei, als Grunddes immer weiter um sich greifenden moralischen Verderbensbezeichnet und eine durchgreifende Umgestaltung für noth-wendig erklärt. Als Hauptpunkte wurden dabei die Unterord-nung der Schulen unter die Kirche, die strengste Bevor-mundung der eine selbständige Gesetzgebung und Verwaltungsich anmassenden Universitäten, auf welchen die theologischeFacultät vor allem wieder einen unerschütterlichen Mittel-punkt der Lehre erhalten, die philosophische dagegen nurals vorbereitend gelten und unter die der übrigen in eigenenUnterabtheilungen zerfallen müsse, und endlich eine ganzandere Einrichtung der geistlichen Angelegenheiten gefordert.Solle auch die Freiheit wissenschaftlicher Forschung nichtbeschränkt werden, so sei doch nicht zu gestatten, dass dieGrundfesten der Kirche und des Staates durch Speculationund Kritik angegriffen und erschüttert würden; zu diesemEnde wurde vorgeschlagen, der geistigen Thätigkeit einezweckmässig ablenkende nutzbringende Richtung zu geben,indem eifriger für die Beförderung der vernachlässigten prak-
in ihrem Briefwechsel S. 187, dem danach auch bereits „alle diese Dingeaus Troppau zu kommen schienen, wo man wohl einen neuen Anlaufgegen die Anforderungen der Zeit verabredet haben mag".