286 Zweites Buch. Erstes Capitel.
bei dem Finanzzustand des Staats für unerfüllbar erklärten.Altenstein führte dagegen aus, dass was für das wahre Be-dürfniss des Unterrichtswesens noch irn laufenden Jahre ver-wandt werden solle, im Verhältniss zu der ganzen Lage undallen Ressourcen des preussischen Staates unbedeutend, jederAufschub in der Ausführung der von ihm geplanten Mass-regeln aber höchst nachtheilig sei, da oft durch eine Kleinig-keit, welche fehle, der ganze Zusammenhang gestört und dasGanze verkrüppelt werden könne. Er hatte sich damals derUnterstützung Hardenbergs zu erfreuen und drang daher imWesentlichen mit seinen Forderungen durch; die mannig-fachsten Hemmnisse aber erwuchsen seinen Bestrebungendaraus, dass er immer auf das Neue mit Bedenken und Ein-sprachen der Leiter der preussischen Finanzen zu ringenhatte. Sie hatten damals nur zu gute Gründe für ihr Drängenauf möglichste Sparsamkeit in allen Zweigen der Verwaltung,und wenn Altenstein es vortrefflich verstand solchen Be-denken gegenüber bei Hardenberg das stärkere Gewicht dervon ihm vertretenen Interessen zur Geltung zu bringen, sowar doch nicht immer die Art seines Verkehrs mit anderenhohen Beamten geeignet schwierige Geschäfte zu erleichtern.Sulpiz Boisseree fand, als er mit dem „philosophischen Mi-nister" in Schlangenbad zusammentraf, dass dieser in ein stillesWaldthal besser passe als unter die staubigen von Wagen-geräusch dröhnenden Berliner Linden*); auch Eylert ver-sichert, dass Altenstein sich in ruhiger Abgeschiedenheit amwohlsten fühlte, unter seinen Blumen in seinem Landsitz inSchöneberg oder auf seinem Weinberg bei Werder. Hierarbeitete er auch am liebsten; es hing damit zusammen, dass eroft der mündlichen Discussion mit seinen Collegen eine schrift-liche Erörterung vorzog, die nicht jedem derselben immer er-wünscht war. Wie Schulze bemerkt, wusste Altenstein inRandbemerkungen zu Tausenden von Aktenstücken mit wenigenfragmentarischen Notizen treffend den entscheidenden Punkthervorzuheben und war leicht verständlich für denjenigen, dermit seinem Ideengang vertraut war; aber natürlich fand der
*) S. das mehrerwiUitite Buch über Sulpiz Boissere'e I, 441.