Humboldt über die wissenschaftliche Deputation. 269
namentlich da sich äussern, wo sie Grund habe zu glauben,dass Mängel, denen wirklich abgeholfen werden könne, nurübersehen seien. Selbstverständlich müsse sie „sich immerbloss zu einem und demselben Geschäft mit der Section ebendergestalt berufen ansehen, dass sie, ohne je den Punkt derAusführbarkeit aus dem Gesicht zu verlieren, mehr den reinwissenschaftlichen — die Section, ohne einen Augenblickdasjenige zu vergessen, was ohne alle Rücksicht auf Mög-lichkeit oder Unmöglichkeit der Anwendung geschehen müsse,mehr den praktischen Theil des Geschäfts" betreibe. DiesenAusführungen Humboldts über die Aufgabe der Deputationentsprachen seine Vorschläge für ihre Zusammensetzung, ihrenGeschäftsgang und ihre Stellung zu anderen Behörden. Jedesbedeutende Fach der Wissenschaft wünschte er durch einesihrer ausserordentlichen oder ordentlichen Mitglieder ver-treten, aber zu letzteren, zu ordentlichen Mitgliedern aus-schliessend Männer erwählt zu sehen, „die sich dem philo-sophischen, mathematischen, philologischen und historischenStudium, mithin denjenigen Fächern widmen, welche alleformelle Wissenschaft umschliessen, durch welche die ein-zelnen Kenntnisse erst zur Wissenschaft erhoben werdenkönnen und ohne welche keine auf das Einzelne gerichteteGelehrsamkeit in wahre intellectuelle Bildung übergehen undfür den Geist fruchtbar werden kann". Unter Zustimmungdes Sectionschefs sollte der Director der Deputation nöthigenFalls auch einen ausserhalb derselben stehenden Gelehrtenzu ihren Berathaugen zuziehen können; auch sonst schlugHumboldt vor, dem Director bei Behandlung der Geschäfteweiten Spielraum zu lassen, ihn möglichst wenig durch vor-geschriebene geschäftliche Normen zu beschränken und durchmechanische Arbeiten zu beschweren und ihn zugleich stetsfür die Dauer seiner Functionen zum Sectionsmitglied mitallen Rechten und Pflichten eines solchen zu machen, umihm das gehörige Ansehen und Gewicht zu verleihen undbeide Behörden in enge wechselseitige Verbindung zu setzen.In ganz ähnlicher Weise wie in Berlin sollten dann auch inKönigsberg und- Breslau wissenschaftliche Deputationen er-richtet werden, die in demselben Verhältniss zu den dortigen