266 Zweites Buch. Erstes Capitel.
geknüpft hatten, sich nicht erfüllten; dass schon 1815 Nie-buhr und Schleiermacher sich genöthigt sahen in literarischerFehde gegen Schmalz, den ersten Rector der Berliner Uni-versität, dessen Verdächtigungen ihrer Gesinnungsgenossenzurückzuweisen, war ein bedenkliches Symptom der Reibungenund Gefahren, welche namentlich auch die gesunde Weiter-entwickelung des akademischen Lebens bedrohten. SolcheLage erschwerte der Unterrichtsverwaltung die Erfüllungihrer mannigfachen gewichtigen Pflichten; ihnen zu genügenwar sie bei ihrer damaligen Organisation und Leitung nichtim Stande. Auch die eifrigste Thätigkeit eines Rathes wieSüvern vermochte selbstverständlich nicht die in solchen Ver-hältnissen begründeten Hemmnisse zu beseitigen.
Schon 1809 hatte Humboldt dem König vorgestellt, dassseiner Ueberzeugung nach sein Departement ein Ministeriumwerden müsse, und auch FriedrichWilhelm III. hatte die Mängeldes bestehenden Zustandes, namentlich in der Stellung derSectionschefs zu den Ministern offen anerkannt; aber zu einerneuen durchgreifenden Aenderung der einmal festgesetztenFormen konnte er sich nicht entschliessen*). So unterbliebdie von ihm selbst gewünschte Verbesserung; ja eine Ver-schlechterung des Zustandes trat ein, nachdem Humboldt dieLeitung der Section für Cultus und Unterricht niedergelegthatte. Nur vorübergehend war. ein halbes Jahr lang Nieo-lovius mit deren Direction betraut; dann wurde im November1810 zum Chef dieser Abtheilung Schuckmann ernannt; ihmwurde daneben zugleich auch die Section für Handel undGewerbe, 1812 ausserdem auch die Polizei unterstellt, under behielt die oberste Leitung des Cultus und Unterrichtsauch bei, als ihm 1814 das gänzlich umgestaltete Ministeriumdes Innern übertragen war. Bei der Fülle der Geschäfte,die ihm oblagen, konnte er dem Bildungswesen nur wenigZeit und Kraft widmen, und doch bedurfte bei den wichtigstenhierauf bezüglichen Fragen Süvern der Mitwirkung seinesChefs, der wohl in Vielem seinen eifrig thätigen Rath freischalten Hess, aber dem Fluge seiner Gedanken zu folgen
*) Vgl. Humboldts Brief an Schön vom 31. October 1809. (AusSchöns Papieren II, 249 ff.)