196 Erstes Buch. Fünftes Capitel.
Forderung abstehe, vermöge welcher eine gemischte Ehenicht eher die kirchliche Einsegnung erhält, als bis der pro-testantische Theil sich eidlich anheischig gemacht hat, alleaus der Ehe erwachsenen Kinder in der katholischen Religionerziehen zu wollen". Besonders aber wurde von Beiden mitEntschiedenheit die Leitung des Schulwesens als Staatssachebezeichnet; in den beiden Denkschriften vom December 1816wurde daher sehr eine Verfügung vom 17. August diesesJahres beklagt, nach welcher das katholische Elementar-schulwesen wieder unter die bischöflichen Behörden gestelltund ihnen die Prüfung und Einsetzung der Lehrer zugewiesenwar; da sie dazu weder die nöthigen Kenntnisse noch dieerforderliche Zeit besässen, so erörterte Schulze, werde da-durch die dringend nöthige Besserung der Schulen gehindert.Da während der französischen Herrschaft für den öffentlichenUnterricht nicht nur nichts geschehen, sondern vielmehr allesangewandt denselben von Grund aus zu zerstören, finde geradehier die preussische Regierung „den freiesten und schönstenSpielraum sich durch zweckmässige Einrichtungen den Dankder Mit- und Nachwelt zu verdienen und sich auf die sichersteund erfreulichste Weise die Liebe und Anhänglichkeit derneuen Provinzen für immer zu gewinnen". Unter diesemGesichtspunkt legte Schulze besonderes Gewicht auch auf dievon ihm zunächst betriebene Verbesserung der Gymnasien: mitihr sei bereits ein guter Anfang gemacht; dankbar erkannteer die Unterstützung an, welche das Ministerium des Innernden von Ooblenz aus gestellten Anträgen gewährte. „Nochschneller aber, führte er aus, würde die Organisation derin jedem Regierungsbezirk nöthigen Gymnasien erfolgen undnoch wohlthätiger könnte die Wirkung dieser verbessertenAnstalten sowohl für die Rheinprovinzen wie für den ganzenStaat werden, wenn man nicht aus allzu grosser für dieRheinprovinzen unnöthigen Aengstlichkeit alle Lehrstellenmit Katholiken besetzen wollte. Durch die französische Herr-schaft ist hier ein solcher Indifferentismus in Glaubenssacheneinheimisch geworden, dass sich die Masse des Volks eben-sowenig wie die höhern Stände um die Frage bekümmern,ob Jemand der katholischen oder der protestantischen Kirche