152 Erstes Buch. Viertes Capitel.
in den letzten Monaten des Semesters hatte er dazu nament-lich passende Abschnitte aus Xenophon ausgewählt; in zweiStunden wöchentlich hatte er ihnen den ersten Gesang derIlias erklärt und in einer Stunde die Hymnen der Homeridentheils cursorisch mit ihnen gelesen theils schriftlich vonihnen übersetzen lassen. Im Lateinischen hatte er CicerosTusculanen und Virgils Eklogen, von deutschen Schriftstellernausgewählte Gedichte Goethes, Schillers und der BrüderSchlegel und von Prosastücken u. a. Goethes Bemerkungenüber Winckelmann und seine Beschreibung des römischenCarnevals, Schleiermachers Weihnachtsfeier und Adam MüllersRede zum Andenken der Königin Luise durchgenommen; erwar „sich bewusst, dass er in keiner Lection mehr als indieser mit glücklichem Erfolg auf alle geistigen Kräfte, aufdie gesammte Bildung seiner Schüler gewirkt und dass ihmvon seiner Seite kein Lebensaufwand zu gross geschienen,um seine Schüler zu begeistern für das Schöne und Heilige".Wir entnehmen diese Mittheilungen den ausführlichenSchulnachrichten, welche Schulze am Ende des ersten Se-mesters des Gymnasiums veröffentlichte. Sie bilden denzweiten Theil seiner Einladungsschrift zu der öffentlichenPrüfung, die in den letzten Tagen des September 1813 ab-gehalten wurde; im ersten gab Schulze eine Probe seinerUebersetzung des Thukydides. Wenn er hierzu die berühmteGrabrede des Perikles wählte, so leitete ihn dabei nicht nurdie Bewunderung der „Gediegenheit der künstlerischen Aus-arbeitung und die hohe Schönheit der Sprache in diesemausdrucksvollen Denkmal hellenischer Bildung". Wie seinenAltersgenossen Dahlmann, der wenige Jahre zuvor die gleicheRede zu übersetzen versucht hatte, fesselte auch ihn an der-selben namentlich „die Grossartigkeit ihrer männlichen Hal-tung", die Wärme und Tiefe dieser Betrachtung „des seligenTods für Freiheit und Vaterland"; er dachte dadurch, wie er inseinen Denkwürdigkeiten ausdrücklich sagt, „stillschweigendein Todtenopfer den im Kampf für Deutschlands Befreiungbisher Gefallenen" zu bringen. Nicht allein diese Worteverrathen, mit wie tiefer innerer Bewegung Schulze demKriege im Osten Deutschlands folgte, über dessen Wechsel-