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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
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Heinrich Leo. Schulze bedroht durch Franzosen. 91

und besonders wegen meiner Predigten dem Marschall Davoustund dessen Polizeiagenten verdächtig geworden. Der Herzogwarnte mich, hinzufügend, dass er mich nicht schützen könne.Ich erwiderte ihm, wie ich mit den Verhältnissen wohl be-kannt und weit entfernt sei, auf seinen Schutz zu rechnen.„Nim dann", antwortete er, „predigen Sie nur ruhig fort; ichgehe nicht in die Kirche, aber meine Gemahlin und dieseist von Ihnen sehr erbaut."

So hatte Schulze sich nicht abschrecken lassen, in seinenpatriotischen Reden fortzufahren — und die Franzosen sindzu einer Gewaltmassregel gegen ihn nicht vorgeschritten. Mitder Neigung zur Unterdrückung aller deutschen patriotischenRegungen verband sich bei ihnen ein gänzlicher Mangel anGefühl für deren innerste Lebensquellen; Schulzes Sprachewar gewiss nicht minder als die seiner Lehrer Schleiermacherund Steffens für sie „ein völlig unverständliches Sanskrit".In der That konnte nur ein feinerer und tieferer Sinn fürdeutsches Wesen die politische Bedeutung der pädagogischenWorte und Thaten dieser Männer erkennen; es verleiht derBetrachtung von Schulzes Leben und Wirken in Weimar einallgemeines Interesse, dass dabei in eigenthümlich deutlicherWeise die Zusammenhänge zwischen den ästhetischen, reli-giösen und politischen Tendenzen der jungen Generation, wel-cher er angehörte, entgegentreten. Charakteristisch hierfür istauch, welche unter den neueren Dichtern ihn in diesen Jahrenvornehmlich anzogen. Es war neben Novalis zunächst Achimvon Arnim, dessen Dolores ihm „selige Stunden" gewährte undmit dem er eine ihm unschätzbare Freundschaft schloss, alsder Dichter sich 1811 mehrere Wochen lang in Weimar auf-hielt und er mit dem „gar liebenswürdigen Menschen", wieer ihn Passow gegenüber bezeichnete*), fast täglich beisammenwar. „Sehr theuer als Schriftsteller" war ihm ferner Heinrichvon Kleist; „gewiss", urtheilte er bei seinem Tod, „ist einerder grössten Geister Deutschlands mit ihm untergegangen".

*) In einem Brief vom 31. October 1811, in dem er seinen Wortenüber Arnim hinzufügt: „Seine Frau Bettina Brentano ist das wunder-lichste "Wesen, was man sehen kann, höchst naiv, schneidend scharf,voll Verstand, aber für mich nicht liebenswürdig".