66 Erstes Buch. Zweites Capitel.
Schulze, ward Anerkennung und Lob besonders in den weib-lichen Kreisen der höheren Stände gespendet; ich konnteund wollte meine entschiedene Abneigung gegen die FeindeDeutschlands und Preussens nicht verhehlen und noch wenigerihren politischen und ethischen Ansichten, welche mit denmeinigen in grellstem Widerspruch standen, huldigen. Soentwickelte sich zwischen ihnen und mir ein häufiger Streit,der, wenn sie mich nicht durch Gründe zu widerlegen ver-mochten, damit endigte, dass ich von ihnen als Original be-zeichnet und belächelt wurde." Man begreift, wie es ihndrückte so mit ihnen in untergeordneter Stellung verkehrenzu müssen; um so freudiger begrüsste er im Mai 1808 eineBerufung als Professor an das Gymnasium in Weimar.
Er dankte diesen Ruf den Bemühungen seines Lands-mannes und Freundes Franz Passow. Bei seinem erstenAufenthalt in Dresden in den Osterferien 1807 war er mitdiesem auf der Eibbrücke zusammengetroffen; Passow wardamals bereits in Weimar angestellt; dort vereint leben undwirken zu können, war seitdem Beider dringender Wunsch.Mit Begeisterung ging Schulze auf den Vorschlag des Freundesein, sich persönlich Schillers Wittwe vorzustellen, die imWinter einen Erzieher für ihre Kinder suchte. „Sage ihr,schrieb er am 22. November 1807 an Passow, dass ich auchunbekannt zu ihr unbedingtes Vertrauen gefasst, weil sie denMann geliebt, den mit mir Jeder, der nach deutschem Sinnstrebt, unendlich lieben muss. Wenn sie mein Vertrauenerwidert, wenn sie das wahre Leben ihrer Kinder zum Theilin meine Hand legt, fürwahr sie soll keinem Unwürdigendas vertraut haben, was ihr vielleicht allein das Lebenwünschenswerth macht. Wie man noch leben kann, wennman einen Schiller verloren, kann ich nur begreifen, wennich mir das Muttergefühl in seiner höchsten Allgewalt denke."Bald darauf reiste er nach Weimar; inzwischen aber hattesich Lotte Schiller bereits für die Wahl von Ukert ent-schieden, bei dessen Abgang Bernhard Abeken eintrat. DochPassow fühlte sich durch diesen missglückten Versuch nurzu neuen Bemühungen angespornt, um dem Freund eineStelle in Weimar zu verschaffen. Er machte den Minister