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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
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46 Erstes Buch. Zweites Capitel.

der klaren Einsicht in alle Verhältnisse der Menschen dieLiebe zum Vaterland nicht abnimmt, sondern zu. Es ist'nicht die Noth, die den Menschen festhält, sondern eineinnere Lust und Liebe, ein angebornes gemeinsames Dasein,eine unzerstörbare Zusammenstimmung. Betrachten wir dieVermehrung unserer Kräfte, welche aus der treuen Verbin-dung mit dem Vaterlande entsteht, übertäuben wir hier nichtdurch verdrehte Klügeleien die Stimme der Natur: so müssenwir gestehen, nur der kann ununterbrochen in einer seinenKräften angemessenen gottgefälligen Thätigkeit sein, nur derkann alle Pflichten erfüllen, alle Rechte ausüben, alle Vor-theile benutzen und also einheimisch sein wie ein Bürger indem Reiche Gottes, der es treu mit dem Volke hält undmeint, dem ihn der Herr zugesellt hat." Gewiss nicht wir-kungslos sind solche Worte an den Hörern vorüber gegangen,unter denen wohl auch Schulze sich befunden hat, der aus-drücklich, wie oben erwähnt, den mächtigen Eindruck derdamaligen Predigten Schleiermachers bezeugt. Adolf Müllerwollte keine von ihnen versäumen, da hier so herrliche Dingegesagt würden; doch lassen gerade seine Briefe aus diesenMonaten erkennen, wie wenig der begeisterte Schüler desLehrers politische Gedanken in ihrer Tiefe und in ihrer prak-tischen Bedeutung erfasst hatte und wie sehr deren Erfüllungdie bestehenden preussischen Ordnungen im Wege standen.

Seit Lessing seine wuchtigen Schläge gegen das An-sehen der französischen Classiker geführt hatte, seit GoethesStrassburger Societät an der Grenze von Frankreich allesfranzösischen Wesens baar und ledig" geworden war, hattendie Leistungen deutscher Denker und Dichter das nationaleHochgefühl der an ihnen sich bildenden deutschen Jugendmächtig gesteigert; bezeichnend dafür sind die Worte, indenen Müller sechs Wochen vor der Schlacht von Jena seinemVater auseinandersetzte, warum er einer Reise in das Aus-land nicht bedürfe*).In dem gebildetsten Land bin ichaufgewachsen, die grössten Männer der Zeit haben mich be-

*) Am 27. Augast S. 323 ff. Ueber das von Schiller bearbeitetePicardsche Stück (den Neffen als Onkel) schrieb er seiner Schwesteram 2. September 1805 (S. 237 ff.).