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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
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Aesthetische Anregungen. Verhältniss zur Politik. 45

1806 zählte man wieder 1120 und darunter, was das Wich-tigste, ungewöhnlich, viele strebsame und begabte Studenten.Für die deutsche Entwickelung hat der Eifer, mit welchemsie und ihre Lehrer ihren fachwissenschaftlichen Studien undihrer allgemeinen Bildung sich widmeten, reiche Frucht ge-tragen; nationaler Stolz auf deutsche Wissenschaft und deutscheKunst wurde dabei in vielen dieser Jünglinge angefacht; abererst nach dem Zusammenbruch des alten preussischen Staatsund der angesehensten preussischen Universität sollte ausdiesem Gefühl bei ihnen sich thatkräftige Wärme für diepolitische Macht des Vaterlands entwickeln; noch lebten sie,wie auch Schulze bestätigt, „ihren Studien und Freuden un-bekümmert um die Politik des Tags". Allerdings hatte schondamals Schleiermacher klar die ethische Bedeutung des Staatserkannt und ausgesprochen, war „sein moralischer Individua-lismus zu der Forderung der Hingabe an den Staat vorge-drungen"*). Im Juni 1806 schrieb er einer Freundin, dassan dem früher oder später bevorstehenden allgemeinen Kampfsich jeder, wie es die gemeinsame Sache erfordere, anschliessenmüsse; bei seiner vorletzten Predigt, die er im akademischenGottesdienst des Sommersemesters hielt, führte er aus, „wiesehr es die Würde des Menschen erhöht, wenn er mit ganzerSeele an der bürgerlichen Vereinigung hängt, der er angehört",wandte er gich „gegen die gemeine Rede, dass die wissen-schaftlich Gebildeten am wenigsten ein Vaterland hätten".„Lasst uns", ermahnte er seine Hörer, „alles das Unsrige thun,um diesen Irrthum zu vertilgen, lasst uns zeigen, dass mit

*) So Dilthey in den Preussischen Jahrbüchern X, 249, der inseinem hier abgedruckten Aufsatz über Schleiermachers politische Ge-sinnung und Wirksamkeit dieses Verhältniss in helles Licht gesetzthat. Ueber die hier von ihm besprochenen Predigten Schs. sind jetztauch Adolf Müllers Briefe vom 31. August und 17. September 1806(S. 331 ff.) zu vergleichen; danach hielt Schleiermacher seine letztePredigt im Sommersemester, von welcher er nichts mehr in seinenPapieren finden konnte, „über die letzten Verse des Apostels Paulusan die Epheser; das ganze Gloiehniss dieses herrlichen Capitels ver-webte er in seine Predigt und wandte es auf seine Gemeinde an, ausder gerade ausscheiden wollte, was reif zum bürgerlichen Leben, sichzum letztenmal da erbaute".