10 Erstes Buch. Erstes Capitel.
In allen geselligen Kreisen war er gern gesehen; er zeigtesich liberal und gastfrei. Er hatte Liehe für Thiere undPflanzen und äusserte dieselbe in heiterer Pflege seiner Baum-schule, seiner Kanarienvögel, Drosseln und Nachtigallen, seinerHunde und Pferde". In Hamburg im Institut von Buschgebildet, zeigte er auch später Interesse für die Vorgängeausserhalb seines Weichbilds; mit reger Aufmerksamkeit ver-folgte er die Stürme der französischen Revolution; noch alsGreis erinnerte sich Jobannes der tiefen Bewegung, mit wel-cher der Vater unter vielen Thränen die erste Zeitungsnachrichtüber die Hinrichtung Ludwigs XVI. vorlas. Für seine undseiner Frau religiöse Anschauungen ist es bezeichnend, dasswie ihr Sohn erzählt, „Sturms Morgen- und Abendandachtenund Bogatzkys Schatzkästlein ihnen zur Hand waren, umsich und ihre Kinder häuslich zu erbauen; der Morgen-Gottes-dienst in der Kirche wurde von allen Familiengliedern regel-mässig besucht; am Charfreitag wurde bis zum Abend keinFeuer auf dem Heerd geduldet."
Länger und tiefer als der Vater hat auf die Entwickelungihrer Kinder die Mutter eingewirkt. Hedwig Maria SophieLantzius, die „einzige Tochter braver und gottesfürchtigerEltern", war am 3. Oktober 1764 in Bruel geboren; sie befandsich in einer Mädchenerziehungsanstalt in Schwerin, als ihrspäterer Mann sie kennen lernte. „Sie galt", sagt ihr Sohn,„in ihrer jugendlichen Frische für eine schöne Frau"; mehrrühmt er ihre inneren Vorzüge, ihre echte Gottesfurcht, ihrethätige Menschenliebe, ihren heitern lebensfrohen Sinn. „Imgeselligen Umgang", berichtet er, „bewegte sie sich in wür-diger, fast vornehmer Haltung, ohne ihre natürliche nord-deutsche Gutmüthigkeit jemals zu verleugnen. Im Gesprächmit ihren Kindern und vertrauten Freunden bediente sie sichgern des Niedersächsischen. Ihr Urtheil über andere war scharfund in der Regel richtig. Für König Friedrich Wilhelm III.hegte sie eine innige Verehrung und sein Bildniss alleinschmückte ihr Wohnzimmer. Bis zum späten Alter blieb sieungemein thätig im Spinnen und Stricken für ihre beidenSöhne; im 75. Lebensjahre konnte sie noch von sich melden,dass sie keiner Brille bedürfe und noch kein graues Haar