Heimath und Getrartszeit. 9
Verschiedenheiten abgesehen, welch' andere Voraussetzungenhatte für den Jüugeren das Menschenalter zwischen beiderGeburt geschaffen! Als der eifrige Vertreter der pädagogischenBestrebungen Friedrichs des Grossen zur Welt kam, hatteder König noch keinen der Siege des siebenjährigen Kriegeserfochten und auch Lessing sein „Rossbach wider die Fran-zosen" noch nicht geschlagen, hatte Kant sich noch nichthabilitirt und Winckelmann noch nicht die Alpen über-schritten, war Herder ein neunjähriger, Goethe ein vierjährigerKnabe: wie anders musste, nachdem durch sie alle demdeutschen Leben ein neuer Inhalt gewonnen war, Bildungund Thätigkeit eines deutschen Philologen und Schulmannssich gestalten, der im Todesjahr Friedrichs des Grossen, imJahr von Goethes italienischer Reise geboren wurde, einVierteljahrhundert nach Schiller und Friedrich August Wolf,ein halbes Menschenalter nach Schleiermacher und Hegel,ein Jahrzehnt nach Niebuhr, wenige Monate nach Welcker,Bekker und Böckh, Jacob Grimm und Dahlmann!
Die Elemente der neuen Bildung sich anzueignen wurdeSchulze durch die Verhältnisse seiner Eltern erleichtert. Beideentstammten sie wohlhabenden Bürgerfamilien des prote-stantischen Norddeutschlands. Nach Schutzes Erinnerung warwie sein Vater, so auch schon dessen Vater und GrossvaterVerwalter des Elbzolls gewesen; so wurde das Amt als erb-lich in der Familie betrachtet. Mit ihm war keine festeBesoldung, aber der Ertrag bedeutender Sportein verbunden;dieselben beliefen sich in dem Gnadenjahr, das mecklen-burgischem Gebrauch gemäss nach dem frühen Tod JohannGeorg Schultzes der Familie bewilligt wurde, auf nichtweniger als 5000 Thaler. Ausser seinem geräumigen Wohn-haus hatte Johann Georg Schultze drei Gärten und erheb-liche Ländereien und Capitalien besessen: so setzte seinväterliches Erbtheil Johannes in den Stand sich sorgenfreiauszubilden und seiner wissenschaftlichen Neigung nachzu-gehen. Und besseres als äussere Güter haben seine Elternihm mit in das Leben gegeben.
Seinen Vater charakterisirt er selbst als „ernst, abersehr menschenfreundlich; er half wo und wie er nur konnte.