TAFEL L.
MYSTIKERTEXTE.
A. DES MÖNCHES VON HEILSBRONN SCHRIFTÜBER DIE SECHS NAMEN DES FRONLEICHNAMS.
Cod. germ. 100, in der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts, mit Ausnahme des An-fangs von derselben Hand, geschrieben, enthält überwiegend kleinere Stücke aus der älterenMystik; größeren Umfangs ist nur die Schrift über die sechs Namen des Fronleichnams, diesich auf Blatt 10r bis 110r findet. Sie ist zwischen 1306 und 1324 in Prosa verfaßt, nurVorwort und Nachwort sind in Versen. In letzterem, das nur in unserer Handschrift erhaltenist, nennt sich der Verfasser selbst einen mvnich von halsprvnne, dem früheren Zisterzienser-kloster Heilsbronn zwischen Ansbach und Nürnberg. Die Handschrift hat mitteldeutscheMundart mit etlichen bayerischen Formen. Sie ist in die Staatsbibliothek gelangt aus demPüttrich-Regelhause in München, wo sie vorher einer Schwester Margarete gehört hatte.
Zuerst erwähnt wurde die Handschrift von Franz Pfeiffer, der 1840 Vor- und Nachwortveröffentlichte. Das Ganze, nach einer Heidelberger Handschrift, findet sich in der Ausgabevon Merzdorf abgedruckt.
Vgl. Franz Pfeiffer, Von unsers Herren Leichnam, in den Altdeutschen Blättern vonMoriz Haupt und Heinrich Hoffmann II 1840, S. 350—354. — Der Mönch von Heilsbronn.Zum ersten Male vollständig herausgegeben von J. F. L. Theodor Merzdorf. 1870. — AlbrechtWagner, Über den Mönch von Heilsbronn. 1876 (= Quellen und Forschungen zur Sprach-und Kulturgeschichte der germanischen Völker. XV). — Albrecht Wagner, Zum Mönch vonHeilsbronn, in der Zeitschrift für deutsches Altertum XX 1876, S. 92— 113. — Heinrich Denifle imAnzeiger für deutsches Altertum II 1876, S. 300—313. — Wilhelm Preger, Geschichte derdeutschen Mystik im Mittelalter II 1881, S. 12—27 und 40—48. — Philipp Strauch im An-zeiger für deutsches Altertum IX 1883, S. 117 f. — Die geistliche Dichtung des Mittelalters.2. Teil. Die Legenden und die Deutschordensdichtung. Bearbeitet von Paul Piper (= DeutscheNational - Literatur, herausgegeben von Joseph Kürschner. III. Band, 2. Abteilung), S. 120.
B. DIE SIEBEN VORREGELN DER TUGEND
VON BRUDER DAVID VON AUGSBURG.
Cod. germ. 183, dem am Anfang eine Lage fehlt, ist am Ende des XIII. Jahrhundertswohl durchaus von einer Hand geschrieben und enthält geistliche Lehren und Betrachtungendes Minoriten David von Augsburg (f November 1272), des Lehrers und Mitarbeiters Bertholdsvon Regensburg. Zu den deutschen Schriften, die bei dem wechselnden Stand der Ansichtenüber die Echtheit David von Augsburg immer zugeschrieben worden sind, gehört die SchriftVon den sieben Vorregeln der Tugend. Sie ist zuerst gedruckt worden im Jahre 1845 vonFranz Pfeiffer, jedoch nicht nach unserer Handschrift. Diese wird von Bruno Jellinegg erst imJahre 1904 erwähnt. Nach einem Besitzvermerk aus dem XIV. Jahrhundert stammt die Hand-schrift aus dem Katharinenkloster in Nürnberg. Erworben wurde sie für die Münchener Staats-bibliothek bei einer Versteigerung in Wien im April 1863.
Vgl. Deutsche Mystiker des XIV. Jahrhunderts. Herausgegeben von Franz Pfeiffer.I 1845, S. XXVI— XLIII und S. 309—405. — Bruno Jellinegg, David von Augsburg. Dessendeutsche Schriften auf ihre Echtheit untersucht und auf Grund der Handschriften verbessert.I 1904 (= Jahresbericht des k. k. Stiflsgymnasiums der Benediktiner in St. Paul (Kärnten) fürdas Schuljahr 1903/04), S. 4. — Dagobert Stöckerl, Bruder David von Augsburg. Ein deutscherMystiker aus dem Franziskanerorden. 1914 (= Veröffentlichungen aus dem KirchenhistorischenSeminar München. IV. Reihe, Nr. 4).