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4 (1924) Deutsche Schrifttafeln aus Pergamenthandschriften des XIII. und XIV. Jahrhunderts
Entstehung
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TAFEL XLVI.

KONRAD VON WÜRZBURG, DER WELT LOHN (SCHLUSS), undVON DREI GOTT UND DER WELT VERHASSTEN SÜNDEN,VON DEM STRICKER.

Cod. germ. 16 enthält auf Blatt lra81rb Rudolfs von Ems Barlaam und Josaphat, Blatt 81va85va vier Btspel des Strickers, Blatt85va87ra Der Welt Lohn von Konrad von Würzburg, 87ra/rb das Gedicht von drei Gott und der Welt verhaßten Sünden, das wieder demStricker zugeschrieben wird, endlich Blatt 87va89vb die Legende von dem Apostel Thomas in Reimversen. Ursprünglich muß die Hand-schrift am Anfang noch 19 Blätterlagen umfaßt haben, da die Lagenzählung des Schreibers auf Blatt 8v mit XX«* beginnt. Ihr Entstehungsortist unbekannt, das Entstehungsjahr 1284, der Schreiber von Blatt lr87r ein Bayer Namens Konrad, vorausgesetzt, daß der Vermerk hier-über auf Blatt 87rb nicht aus der Vorlage des Schreibers mit übernommen ist. Diese letztere, nicht ganz wahrscheinliche Annahme hatGerhard Schapper in seiner Beschreibung für das Handschriftenarchiv der Deutschen Kommission bei der Berliner Akademie der Wissen-schaften in Betracht gezogen und mit der vorgeschrittenen Diphthongisierung u. a. begründet (durchweg ei für f, ai für ei u. s. f.; s. aberdagegen Franz Pfeiffer in der Germania Bd. II 1857, S. 253). Da auch in der Schrift Uebungen herrschen, die mehr dem XIV. als demXIII. Jahrhundert angehören z. B. das doppelbogige a, so läßt sich diese Möglichkeit nicht vollkommen ablehnen, wenn sie auchkeineswegs zwingend zu erweisen ist. Sicher dem XIV. Jahrhundert zuzusprechen ist wohl die zweite und dritte Hand des Codex, die aucheiner anderen Mundart zugehören, Blatt 87v und 88r89v. Weitere Hände haben noch in den Einbanddeckeln Einträge gemacht, unter denenein Wurmsegen bemerkenswert ist. In die Staatsbibliothek gelangte die Handschrift im Jahre 1803 aus dem Püttrich-Regelhaus in München;ein Eintrag im hinteren Einbanddeckel scheint von einem früheren Besitzer herzurühren: Hans Hausner 1450.

Die erste Nachricht von der Handschrift gab Docen, der in Aretins Beiträgen Bd. VI 1806, S. 161 176 die Gedichte des Strickers undKonrads von Würzburg abdruckte. 1840 veröffentlichte sodann Roth die Thomaslegende, die später Wilhelm nochmals abdruckte, 1868 auchden Wurmsegen. Für Barlaam und Josaphat wurde die Handschrift von Pfeiffer benützt und für die älteste erhaltene erklärt.

Vgl. Docen, Miscellaneen 1807 Bd.I, S. 50-64 und II, S. 210-227. - Karl Roth, Deutsche Predigten des XII. und XIII. Jahrhunderts(= Bibliothek der gesamten deutschen Nationalliteratur XI. Bd., 1. Abt.) 1839, S. XXII, 6, 13; derselbe, Denkmähler der deutschen Sprache1840, S. XII und 3845; derselbe, Kleine Beiträge zur deutschen Sprach-, Geschichts- und Ortsforschung, II. Bändchen, 2. Aufl., 1868,Anhang S. XXIV. Karl August Hahn, Kleinere Gedichte von dem Stricker (= Bibliothek der gesamten deutschen NationalliteraturBd. XVIII) 1839, S. 4144, 94 f. Barlaam und Josaphat von Rudolf von Ems, hgg. von Franz Pfeiffer (= Dichtungen des deutschenMittelalters Bd. III) 1843, S. 407 f. Friedrich Heinrich von der Hagen, Gesamtabenteuer 1850 Bd. III, S. 773. Franz Sohns, DasHandschriftenverhältnis in Rudolfs von Ems Barlaam 1878, S. 34 f. und 41 f. Ludwig Jensen, Über den Stricker als Btspel-Dichter 1885,S. 17. Gustav Karpeles, Geschichte der Weltliteratur 1901 Bd. II, S. 321,339. Friedrich Wilhelm, Deutsche Legenden und Legendare 1907,S. 105 155, 10* 19*. Gustav Rosenhagen, Kleinere mhd. Erzählungen (= Deutsche Texte des Mittelalters Bd. XVII) 1909, S. XXIX.

Die gotische Buchschrift des Schreibers Konrad zeichnet sich trotz mancher Übergangsschwankungen im ganzen durch überlegte Folgerichtigkeitund klare Formen aus. Die Brechung ist sehr weitgehend durchgeführt; Zierstriche sind nur bei wenigen Buchstaben (t, r, e) und auch bei diesen nichtimmer angefügt, während in der Hauptsache gedrungene, kurze und dicke Formen der Schrift ihren Charakter geben. Die Oberlängen von b, h, k, 1 sindnicht gespalten, vielfach aber leicht nach links umgebogen und etwas verdickt (A, Z. 2, 5, 9, 20), manchmal auch mit einem kleinen Hufstrich ausgestattet(A, Z. 6, 10) oder ganz glatt und aufrecht (A, Z. 31; B, Z. 5). Beim 1 ist übrigens die Oberlänge oft nicht ausgebildet, sondern kaum die Höhe einesu überschritten (A, Z. 1); sichtlich wirken die Nachbarbuchstaben, insbesondere das t, auf die Ausgestaltung der Oberlängen ein. Die Ähnlichkeit dest mit c geht sehr weit; da der Querbalken des t nur wenig oder gar nicht nach links übergreift (Ä, Z. 5) und auch beim c der obere Querstrich nichtdurch Umbiegen oben aus dem Stamm hervorwächst, sondern unterhalb der Spitze nach rechts angesetzt ist (A, Z. 2), wird der Unterschied zwischenbeiden Buchstaben besonders im Wortinnern ganz verwischt und ch sieht manchmal ganz wie th aus (A, Z 28). Am Wortende dagegen wird dast durch einen zierlichen Haarstrich ausgezeichnet, der von dem oberen Querbalken nach dem unteren Schlußstrich herunterführt und diesen durch-schneidet (Ä, Z. 3), wobei manchmal der untere Schlußstrich noch durch eine leichte Verdickung betont wird (A, Z. 4). Das a hat gewöhnlich zweigeschlossene Ausbauchungen übereinander; manchmal ist die obere zu einem dicken Punkt zusammengeflossen (A, Z. 9), gelegentlich auch nicht ganzgeschlossen (A, Z. 13); vereinzelt kommt auch ganz schlichtes a mit nur einem Bogen vor (A, Z. 39). d ist ziemlich kurz und gedrungen (Ä, Z. 2) undimmer abgebogen. Das e hat am Wortende meist (A, Z. 12), doch nicht immer (A, Z. 9) die verzierende dünne Zunge, die im Wortinnern der Buch-stabenverbindung dient, f wie f hat oben eine ausgeprägte Verdickung (A, Z. 2, 3); g ist vollständig geschlossen, meist etwas eckig (A, Z. 5), gelegentlichaber auch ganz rund (B, Z. 28). Der öfters ziemlich dicke Schlußstrich des h reicht nicht sehr tief unter die Zeile (A, Z. 1 gegen 26). Das i hat den i-Strich manchmal (Ä, Z. 5), überwiegend aber nicht. Die Fahne des r ist meist ganz kurz und einfach (A, Z. 1) und nur selten mit einem nach obengerichteten Haarstrich verziert (Ä, Z. 4); gekrümmtes, übrigens sehr spitz gebrochenes v kommt nur hinter o vor (B, Z. 15). f ist am Wortende immerdurch rundes s verdrängt. Das w ist sehr entschieden ausgebildet (A, Z. 6), das z ganz schmucklos, die beiden Fahnen davon meist gleich und eckig(A, Z. 9), die untere öfters auch etwas nach links abwärts statt rechts aufwärts umgebogen (A, Z. 5). Überschreibungen sind v (A, Z. 1) und v (fl, Z. 20).Von Ligaturen kommt de mit hochgestelltem e nur einmal vor (fl, Z. 20), ft und ae dagegen regelmäßig. Das Zusammenschreiben der Buchstabeninnerhalb des Wortes ist schon sehr weit entwickelt; wenn es auch oft noch bei einer bloßen Berührung ohne gemeinsamen Grundstrich bleibt, so zeigtsich doch die Wilhelm Meyersche Regel in verschiedenen Abstufungen der Ausführung in Kraft bei vg (A, Z. 1), de (A, Z. 2), we (A, Z. 3), be (A, Z. 6),da (fl, Z. 13), vo und po (fl, Z. 14), bo (fl, Z. 24), ve (fl, Z. 39), wo (fl, Z. 40); auch die Kürzung für daz, d mit folgendem, einem c ähnlichenHaken, wird in dieser Weise behandelt (fl, Z. 4). Nur als Ausnahme finden sich ausgesprochen getrennte Schreibungen wie vg (B, Z. 6) und unbeteiligtan der Meyerschen Regel erscheint von den bogenförmig schließenden Buchstaben nur das h, das ja auch Meyer unter die zweifelhaften Buchstaben zählt(a. a. O. S. 16); vgl. he (fl, Z. 15), ho (fl, Z. 2), ha (fl, Z. 1). Bemerkenswert ist, wie enge die r mit einem folgenden e oder o zusammengeschriebenwerden; in den Zwischenraum zwischen der Fahne oben und dem abschließenden Haarstrich unten tritt die Rundung des folgenden Buchstabensund erzielt dadurch ein den Meyerschen Zusammenschreibungen ähnliches Schriftbild z. B. re (fl, Z. 22), ro (fl, Z. 21). Ähnlich erklärt sich die Formvon ra (B, Z. 23), wobei das a seinen oberen Bogen eingebüßt hat. Von Kürzungen wendet der Schreiber nur die üblichen, diese aber ziemlichausgiebig an für er (fl, Z. 1), für fehlendes n (fl, Z. 2), für d bei vnd (fl, Z. 12) und für daz (fl, Z. 1). Satzzeichen fehlen fast ganz; eine Regelist bei den gesetzten Punkten nicht zu erkennen, nur dienen sie öfters zum Zeilenschluß. Die Verse sind abgesetzt, die Zeilen liniert. Bei derLineatur greifen nicht nur die senkrechten, die zur Abteilung der Spalten und der vorgeschobenen kleinen Quadrate für die Majuskeln dienen, bis zum Blatt-rande über, sondern auch einzelne wagrechte, ohne daß dies systematisch durchgeführt wäre. Als Majuskel ist regelmäßig der erste Buchstabe einesReimpaares geschrieben, etwas herausgerückt und rot durchstrichen. In der Form erweisen sich diese großen Buchstaben teilweise einfach als vergrößerteMinuskeln, z. B. V (A, Z. 7), A (A, Z. 25); teilweise sind sie aber auch freier ausgestaltet, doch dann meist nicht gerade klar und deutlich, z. B. D(A, Z. 1), G (A, Z. 19). Einfacher, aber klarer ist die rot und blau gemalte Initiale D (A, Z. 11) und sehr zierlich ist der lateinische Schreiberspruch amEnde geschrieben, der ebenfalls mit roten und blauen Linien geschmückt ist und ein wenig mit seinen hohen Oberlängen an die Urkundenschrift erinnert;vgl. die Unterschrift des Sigihart Tafel VIII. Die Blattzählung in der rechten oberen Ecke rührt von moderner Hand her, die falsche 107 von Docen,die richtige 87 von Schindler.