Gotische Buchschrift des XIV. Jahrhunderts. So stattlichdie Anordnung und Ausschmückung dieser Seite im Ganzenwirkt, so wenig entspricht ihr die kalligraphische Aus-führung der Schrift. Sie ist unschön und ungleichmässig.Zeilen und Zeilengruppen, die, auch bei der an sich gar nichtungewöhnlichen Höhe der Buchstaben, durch Streckung derFormen und durch Zusammendrängen der einzelnen Elementedie Senkrechte sehr betonen, wechseln mit anderen, die durchrunde und breite Züge eine grössere horizontale Ausdehnunggewinnen. Dabei besteht ein deutlich zu beobachtendes Un-vermögen, die Zeile einzuhalten und den Buchstaben die gleicheRichtung zu geben. Obwohl, als bei einer gotischen Schrift,die Brechung der Formen klar genug erkennbar ist — vgl.besonders g (A, Z. 7 und 9) —, fällt doch die sehr sparsameVerwendung von Haar- und Zierstrichen auf — nur gelegent-lich begegnen Formen wie y (A, Z. 53), ij, f (B, Z. 28), 2 (B,Z. 31), h (B, Z. 42) und missverständliche Verbindungen wieli (B, Z. 8) oder le (B, Z. 21) — und zum guten Teil ist esgerade das Fehlen dieses verbindenden Elementes der Haar-striche, wodurch die Schrift ihren besonderen Charaktererhält. Andererseits gelingt es dem Schreiber doch, die Wort-bilder gut zusammenzuschliessen. Die Meyersche Regel überdie Verbindung zusammentreffender Rundungen wird vielfachvon ihm beobachtet: de, he (A, Z. 1), da, do (A, Z. 4), po(A, Z. 44), pe (C, Z. 1), doch ist es bezeichnend, dass sichfast zu allen diesen Beispielen Gegenbeispiele finden, bei denendiese Buchstaben unverbunden nebeneinander stehen: pe (A,Z. 7), he (B, Z. 1), de (B, Z. 30), da (B, Z. 31), po (B, Z. 38).Bemerkenswert ist, dass der Schreiber neue Verbindungs-möglichkeiten dadurch gewinnt, dass^[er d (A, Z. 14; vgl.Tafel XXX) und auch o (B, Z. 17) unten mit kleinen Ansätzenausstattet, die es erlauben, ghich in den folgenden Buchstabenhinüberzufahren, z. B. di (A, Z. 22), du (A, Z. 27), da (A, Z. 35);oe (B, Z. 21).
Bei den Oberlängen, die am stärksten bei I und f (A,Z. 1), am schwächsten bei d und h (A, Z. 1) ausgebildet sinJ,wechseln glatte Schäfte (h: A, Z. 3; 1: A, Z. 8; b: A, Z. 10)mit gespaltenen (b: A, Z. 23; 1: A, Z. 6) und mit solchen,die einfache oder doppelte Ansätze zeigen (k: A, Z. 52 undB, Z. 19; b, h: B, Z. 13; b: A, Z. 8; 1: B, Z. 51; h: A, Z. 10,16 und 17), wobei zu sagen ist, dass bei h, ausser in der Ver-bindung ch, die kräftigen Ansätze, bei 1 die tiefe Spaltungbevorzugt wird. Am untern Ende sind die Schäfte von f (A,Z. 44), f (A, Z. 3), h (A, Z. 1), r (A, Z. 6) nach rechts um-gebogen oder wenigstens abgebogen. Die Unterlängen (g: A,Z. 1; p: A, Z. 5; y: A, Z. 37; x: A, Z. 53) sind im ganzenbesser ausgebildet, sehr kurze Schäfte, wie q: C, Z. 16 sindseltener; öfters sind sie nach rechts abgebogen (p: A, Z. 46;q: B, Z. 42).
Das zweibogige, oben oft sehr spitzige a (A, Z. 2) zeigtmancherlei Schwankungen der Bildung im Einzelnen, die sichzwischen den Grenzformen in A, Z. 2 und 6 bewegen; be-merkenswert sind die Fälle, in denen die untere Rundungnicht geschlossen wird (A, Z. 6). Über seine Umgebung ragtes gern etwas heraus (A, Z. 20). Das b lässt seine Entstehungaus zwei Zügen oft gut erkennen (A, Z. 9); meist ist es oben
offen (A, Z. 14) und der Körper im Verhältnis zum Schaftrecht gross (A, Z. 18). Trifft bb (A, Z. 20) oder bl (A, Z. 19)zusammen, so werden, ebenso wie bei 11 (A, Z. 16), die Schäftemit einem wagrechten Strich durchzogen; vgl. Tafel XLII, B.Das c ist mitunter dem t gleich (B, Z. 17) oder ähnlich (A,Z. 1) und geht gerne engere Verbindung mit folgenden Buch-staben ein wie ch (A, Z. 3), ce (A, Z. 7), cl (A, Z. 13), co(A, Z. 28). Durch seinen kurzen Schaft nähert sich d bis-weilen dem 0 (A, Z. 5), in Verbindungen wie de kann es ce(A, Z. 19) oder te (A, Z. 57) ähnlich werden. Der Querstrichdes f sitzt tief, wodurch der Buchstabe grösser wirkt (A, Z. 1).Das g zeigt, wie das a, im Einzelnen mancherlei Varianten
(A, Z. 8 und 9); die Zunge ist dabei gleichmässig deutlichentwickelt. Beim h ist die Verbindung zwischen dem Schaftund dem unter die Zeile gehenden zweiten Zug nicht seltengelöst (A, Z. 10). Das i kommt mit und ohne i-Strich vor(A, Z. 5); das Gleiche gilt vom Doppel-i, bei dem der zweiteBestandteil etwas unter die Zeile verlängert ist (A, Z. 1 und 11).Eine grosse Mannigfaltigkeit zeigen auch m und n; bald istder erste Grundstrich nach rechts abgebogen (B, Z. 3; A, Z. 1),bald sind der erste oder die ersten gerade und brechen ohneAbschlusstrich ab (A, Z. 22 und 5; A, Z. 12 und 9), baldsind sie von ungleicher Länge (A, Z. 5 und 13), bald enger,bald weiter gestellt (B, Z. 43 und 46; A, Z. 29), u. a. Dasp ist meist oben offen (A, Z. 7 gegen B, Z. 15) und, ähnlichwie d und 0, durch einen nach unten gehenden Fortsatz ander Rundung ausgezeichnet (A, Z. 5), der bei Verbindung miteinem folgenden Buchstaben verschwindet (A, Z. 45). Das rentbehrt öfters des Anstrichs (A, Z. 1); die Fahne schwebt oftfrei (B, Z. 7) und wird gerne mit dem folgenden Buchstabenverbunden (A, Z. 12), wodurch nicht selten gewisse Unklar-heiten entstehen (B, Z. 12; A, Z. 50; B, Z. 46). Das ge-krümmte z ist gemäss der Meyerschen Regel nach b (A, Z. 10)und o (A, Z. 9) durchgeführt. Das f kommt mit und ohne An-satz vor (A, Z. 7); am Wortende steht fast durchweg s (A, Z. 2),dessen Form sich gelegentlich einem B sehr nähert (B, Z. 41).Der Querbalken des t, der in wechselnder Lage durchgezogenoder nach rechts angesetzt wird (A, Z. 1), wird am Wortendedurch einen Zierstrich von wechselnder Länge (A, Z. 14) ab-geschlossen, der gelegentlich auch frei danebengesetzt ist (A,Z. 12). Neben dem gewöhnlichen, runden v begegnet häufigein zweites, bei dem ein durchaus gerader Grundstrich einespitzige Form bedingt (A, Z. 1). Das w ist ein v mit vor-gesetztem, parallellaufendem Grundstrich, der nicht selten ohneVerbindung für sich steht und, wie das v (A, Z. 1), mit undohne Anstrich begegnet (A, Z. 20 und 19). Der unter dieZeile reichende Grundstrich des y (A, Z. 37) wird häufig nachlinks bis zur Schleife zurückgebogen (B, Z. 30).
Die alte Verbindung ft hat sich noch erhalten (A, Z. 23);neben gelegentlicher Verschiedenheit der Form (A, Z. 31) löstsich zuweilen die enge Verschmelzung der beiden Buchstaben(B, Z. 20 und 38) und lässt die beiden Elemente fast getrennterscheinen.
Überschreibungen finden sich nicht. Von Kürzungenverwendet der Schreiber einen kurzen Haken für er (A, Z. 1)oder ar (A, Z. 5) oder aer (B, Z. 43), Hochstellung des a überq für ua (A, Z. 45) nach Analogie des Lateinischen, und denkurzen wagrechten Strich für zu ergänzendes de (A, Z. 13),n (A, Z. 27), m (C, Z. 10). Gelegentlich begegnet . Rit. fürRitsart (A, Z. 38) und regelmässig . co. für coninc (B, Z. 18),im Genitiv . cox. mit Kürzungsstrich darüber (A, Z. 53).
Der Text ist in drei Spalten geschrieben; die Verse sindabgesetzt. Von der Lineatur lassen sich nur noch ganz geringeSpuren wahrnehmen. Die Zeilen beginnen, ohne System ab-wechselnd, mit Majuskeln oder Minuskeln, die nach links etwasausgerückt sind, und werden durch einen Punkt geschlossen.Abschnitte sind durch blaue mit Rot verzierte (A, Z. 25; C, Z. 5),durch einfache rote Initialen (B, Z. 25; C, Z. 41) oder durch
rote (A, Z. 15 und 41; C, Z. 20) und blaue (B, Z. 5 und 40)IT-Zeichen hervorgehoben. Während bei den Initialen demMiniator die entsprechenden Buchstaben klein vorgeschriebenworden sind — sie sind noch unter der Farbe lesbar —, wurdendie Paragraph-Zeichen, von denen die blauen kaum mehr er-kennbar sind, durch zwei kleine Striche am Rand der Spalteangedeutet. Sehr charakteristisch sind die schwarzen, zum Teilmit grotesken Gesichtern verzierten Initialen, die den Anfangeiner jeden Spalte auszeichnen.
Die Benützung des Blattes als Bucheinband ist nichtohne Hinterlassung vielfacher, deutlicher Spuren geblieben.
A
fc* nde vrederijc heeft tfwert vertagen.
d ie in den arm was vermögen .
E nde floecht hem toten fanden toe.
E nde dandere verfloegen doe .6 S ine cnapen die met hem waren .
E nde doe liet vrederec al in varen.
S ine feepe ende fine galeiden .
d oe en woudi niet langer beiden .
h i en' fi in die bozg gegaen .io d ie her witoecht hadde laten ftaen.
O pen na fijn wederkeren .
d at menech ridder fal bereren .
w ant wat hi vant clene ende groet.
J n die bozeh dat floechi doet.15 O ec fo vant hi weet voz waer .
a lle die flotele hangende daer.
T e wibsechts hoeden weet te voaen.
d ie ter bozeh toe behoaen .
d ies fi harde l ) blide waren .»0 d ie bozeh hebben fi te waren.
b efet vter maten wale .
d oe dede vrederec te dien male.
y oens teken fteken bouen.
O m te makene 2 ) die liede verfcouen .u T rederec die in gardeterre .
vJ aldus lach en was niet erre.
d at hi die boach dus heeft gewonnen.
h i penfde hi fal te bat connen.
E nde eer die ftat gewinnen.so w ant meer liede heeft hire binnen .
d anre bennen der ftat fijn .
w ant het hadfe fromondijn .
d oen alle comen te pharat.
d us was onwarneert die ftat.ts N iet dan van den poztren daer .
d iere hadden gewoent menech iaer.
E nde die oec meer minden yoene.
E nde Rit/arr finen föne .
[d] an 2 ) fromondine ende yrenen .40 d us mach fi haer b ) wel maken henen .
S margens als s ) die dach ontfpranc .
E nde die lewerke fanc .
N a dat ons die ieefte fegt.
h eeft vrederec die pozten belegt.« E nde alle die pojtwegeren qnamen 4 ) buten.
E ntie pojten 5 ) fouden ontfluten .
O m dat quec te latene vt.
S o quamen fonder geluut.
Vrederecs liede diefe verfloegen.60 E ntie flotele met hem droegen .
E nde gingen op die pozten faen.
E nde ftaken daer op fonder waen.
d es con/rzx yons baniere.
d es wozden geware feiere .56 d ie grieken diere binnen waren.
E nde leiden dat te waren .
d at fi verraden alle fijn.
E nde vrederec die hertoge fijn.
d ede in die ftraten roepen dat.60 w are daer iemen in die ftat.
B
D at hi rume ende henen tie.E er dat hem iet meer meffeie.M en falne laten rumen die ftede.Maer niet en machi dragen mede.d us fijn die grieken vte getogen.S ere blide ende in hogen.d at fi dus haer lijf behouden.d at fi node verliefen fouden .M aer niet fo en wüten fi dat.h oe dat fi verloaen die ftat.Maer fi fijn alle wech geuloen.E nde vrederec hi dede doen .d ie ftat befetten harde wale.Met finen lieden altemale,d ie poztren diere weren binnen .w aren blide in allen finnen .d at die ftat wäre weder comen.a ne den coninc yoene den vromen .d iefe eerftwerf maken dede.d oe vrederec hadde die ftede.wale 6 ) befet 7 ) doe toech hi wt.Met finen here ouerluut.E nde wouden varen na dat.T e ftride 8 ) wart V02 pharat.
Nv weet 8 ) die keyferinne yrene.V02 pharat arde deine .w at dat haer nu nakende es .J n theer quamen des fijt gewef 9 ).d ie verdreuene van gardeterre.d ies yrene was harde erre.a Hi vernam dat fi verlozen.h adde die goede ftat vercoaen.E nde vragede hoe dat es gefeiet.Maer haer engeen en wift niet.S i feide dat men haer liete verftaen.w ie dat dat hadde gedaen .S i feiden dan 10 ) wiften fi niet.M aer op die pozten men fteken fiet.d es conmx yons baniere .d ie keyferinne feide feiere .h ulpe es nu yoen in tlant.S 0 falt ons qualec gaen in hant.Maer hoe mochte hi fijn comen.h oe foude hijt fo faen hebben vernomend at en mach geenfijns fijn.d oe feide die graue fromondijn .S ufter ic rade harde wale.d at die druffate voederinge hale .T ote bi gardeterre .h i en fal niet fijn harde verre.h i en fal verneinen wale.h oe die faken fijn altemale.d at wilic wale feide yrene.w ant gerne foudic weten tgene.w ie dat hi es die man .d ie fo faen die ftat wan.d ie marfeale gereidem tweren .E nde 11 ) es ter voederingen geueren.Met menegen man ten wapenen goet.J c legge v dat hi comen doet.
H agene ende perde mede 11 ).d ie voeren fouden dat fcoenhede .E nten roef altemale .d ie fi wanen wennen wale.
Die marfeale es henen') getogen . 5
Met menegen man vermögen.J n drien milen na gardeterre.d ies hi lichte mach werden erre.w ant do? ene valeye die hi leet.d aer hi ene montaenge omreet. 10
S o quam onuerfien te waren .v rederec op hem geuaren 12 ).M et finen here dat fcone was.h er vrederec geloeft mi das.v erkinde wel dat voedereren . u
waren diere quamen geueren 13 ).v te den heere dies hi was blide.d ie fine troefte hi te dien tide.E nde hietfe ftoutelike 14 ) ftriden .d ie marfeale die oec tien tiden. »0
S ach comen vrederike 8 ).Met finen h[e]ere 8 ) n ... genlike 8 ).v erkinde teken v[an] 8 ) denemarke .S ine liede troefte [hi] 15 ) Itarke 8 ).E nde leide gi heren hier te rade. 16
h ier wert ons van ftridene fta[de] 16 )h ens al niet onfe dit ozloge .w ant hier comt die deenfee hertoge.J c weet wel hi heeft tftat gewonnenE nde hoe feien wi ons connen. so
v erweren iegen al fijn here.w i feien hebben deine were .N ochtan moeten wi fonder letten.O ns al ter weren fetten.
w ant al fetten wi ons ter vlochte. ti
h et wäre dinc die niet en mochte.G ehulpen no ftaen te ftaden.M aer ftriden wi god mach ons [bjeraden l1 )E nde hulpen dat 18 ) wi tlijf ont[dr]ag[en] 17 )dan wi wozden vliende verfla[ge]n 8 ). 40
Her vrederijc die hertoge rike.voer 8 ) in die andre willechlike.S 0 daden fine denen mede.d en eerften ftac hi der ter ftede.d at hi viel neder dot 18 ) in tgras . u
E ntie andre geloeft 2 ) mi das.S ijn verfaemt te gadere al.d aer was gedaen menech val.v an den heren in elke fide .A lft noch gerne pleegt in ftride . so
h are Iperen bzaken in tbegin.a 1 hadde die marfeale hulpen minNochtan Street 2 ) hi vromelike 18 ) .E nde vrederijc die her[to]ge 8 ) rike.h eeft getogen [fijn] 15 ) goede fwert. 55
Ende voer den m[arf]calc 2 ) [werjt 15 ).d iene comende heeft verfien.S ijn fwert toech hi oec mettien .E nde es iegen hem gereden 8 ).d eus hoe vrom[eli]ke 2 ) I i Itreden . «0
*) Darüber und darunter zufällige Tintenflecken. — 2 ) Durch Abscheuern und Wurmfrass zum Teil getilgt. — 3 ) Der erste Buchstabe durch Abscheuernfast ganz getilgt. — 4 ) Offenes a von ungewöhnlicher Form hochgestellt. — 5 ) Das t durch einen Kleisterflecken fast ganz verdeckt. — 6 ) Durch den oberen Haar-strich zwischen 1 und e ist beinahe die Lesung be entstanden. — 7 ) Das i einem f sehr ähnlich. — 8 ) Durch Abscheuern zum Teil getilgt. — 9 ) Das I hochgestellt.—l0 ) Hofmann liest dat en. — u ) Das zweite e durch einen Flecken fast ganz verdeckt. —• 12 ) Das n durch einen Kleisterflecken zum Teil verdeckt. — lä ) Das udurch einen Kleisterflecken zum Teil verdeckt. — u ) Der Schaft des k durch eine Falte fast ganz verdeckt. — ,5 ) Die durch Abscheuern und Wurmfrass ent-standene Lücke nach Hofmann ergänzt. — 16 ) Der Schluss des Wortes weggeschnitten. — 17 ) Durch Wurmfrass und Beschneiden zum Teil getilgt. — lö ) DurchWurmfrass zum Teil getilgt.