Auf dem vorliegenden Blatt 32 v des dreispaltig, aber wiedie Tristanhandschrift unliniert geschriebenen Codex tritt beiZeile C 45 ein Wechsel der Schreiberhände ein. Die erstedavon ist, wie schon Lachmann a. a. O. S. XXVII bemerkthat, dieselbe wie die des cgm. 51; vgl. Tafel XXXII. Wir habenhier dieselbe kleine, zierliche Minuskel vor uns wie dort, steilund teilweise mit Neigung nach links, ohne viele Schnörkelund Zierstriche, mit klarer Durchbildung der einzelnen Formen,ohne die Verbindung der Buchstaben grundsätzlich durchzu-führen. Eckige Brechung und spitze Geradlinigkeit der Buch-stabenformen herrscht überwiegend, vielfach aber gemildertdurch gefällige Rundung. Vergleichen wir die Einzelheiten,so finden wir die grösste Übereinstimmung: vollständige Gleich-heit des a; bei den Buchstaben mit Oberlängen wie b, 1, h, kmeist den charakteristischen kleinen Aufstrich (A, Z. 1 und 2;B, Z. 10), daneben aber auch einfachen glatten Schaft (z. B. hA, Z. 2; b A, Z. 9; 1 B, Z. 30); das d ebenfalls meist etwassteif mit einem kleinen Aufstrich oben, manchmal aber auchetwas zierlicher gebogen (A, Z. 1; B, Z. 38) in verschiedenenAbstufungen, nie aber in der geraden Form. Sehr klar zeigtsich oft beim e der kleine breite Vorstrich oberhalb der Schleife(A, Z. 14) und ebenso manchmal beim o (A, Z. 1) wie auchfeiner beim g (A, Z. 59) und d (C, Z. 15). Das f wie das ihmungemein ähnliche f hat bald steifere (A, Z. 4; B, Z. 15), baldgefälliger gebogene Form (A, Z. 20; B, Z. 16); ff ist in ähn-licher Weise zusammengeschrieben (C, Z. 10) wie in derTristanhandschrift zz (vgl. Tafel XXXII, B, Z. 16). Das g hatseine Zunge, die es mit dem folgenden Buchstaben verbindet,selbständig und nicht als Fortsetzung der Schleife angesetzt(A, Z. 14). Das h zieht seinen Schlusstrich weit unter die Zeile,ebenso manchmal das m (A, Z. 7) und n (B, Z. 67), wenn dieMajuskelform gebraucht ist. Die Unterlänge des p entsprichtder des r; beide kommen gerade und nach links abgebogen vor(A, Z. 1, 29 und 43); pp findet sich bereits zusammengeschrieben(A, Z. 29). Rundes s fehlt noch völlig. Beim t durchschneidetder Querbalken den Stamm (A, Z. 1) oder er ist glatt aufgelegt(A, Z. 7); im Anlaut ist der Querbalken nach links öfters nichtausgebildet (B, Z. 11). Die v und w laufen in starke Spitzen zu,die gerne etwas unter die Zeile reichen (A, Z. 4). Auch dasz hat ganz dieselbe 1-Form mit vorangestellter Fahne wie inder Tristanhandschrift. Dieselben charakteristischen Formenfinden wir auch bei den Ligaturen st und sb, welche mit Aus-nahme des einen getrennten ft B, Z. 66 durchgeführt sind,und bei de mit hochgestelltem e (A, Z. 42), das aber wie dortviel seltener ist als die getrennte Schreibung beider Buchstaben.Auch der gewöhnliche Kürzungsstrich über vn für vnde (A,Z. 27) ist hier wie dort durch zwei kleinere senkrechte Strichebegrenzt. Weder Kürzungszeichen noch Uberschreibungenkommen anders vor als in der Tristanhandschrift, und genaustimmt mit dieser auch die Verwendung des ö für uo (A, Z. 2)und ou (A, Z. 43) überein. Auch die klare Worttrennung, dieaber enklitische oder proklitische Schreibungen von ez (A, Z. 2),fe (A, Z. 27), ze (B, Z. 57), er (C, Z. 30) keineswegs ausschliesst,
ist dieselbe. In jeder Verszeile ist hier wie dort der erste Buch-stabe etwas herausgerückt, aber klein geschrieben, jeder Versdurch einen Punkt abgeschlossen, während weitere Interpunktionfehlt. Die grösseren gemalten Initialen, die in beiden Hand-schriften ohne Rücksicht auf bedeutendere Sinnesabschnitte nurzum Schmucke des Schriftbildes stellenweise eingefügt sind,sind zwar in der Parzivalhandschrift rot mit blauer und grünerVerzierung ausgeführt, stilistisch aber keineswegs wesentlichanders geartet als im Tristan. Und in beiden Handschriftenhaben sie den Schreiber nicht gehindert, das betreffende aus-gezeichnete Anfangswort im Text ruhig vollständig und nicht mitWeglassung des noch zu malenden Buchstabens zu schreiben.
Hierin zeigt der zweite Schreiber der Parzivalhandschriftmehr Überlegung. Er zeichnet dem Miniator (C, Z. 55) denzu malenden Buchstaben klein vor, lässt ihn aber selbst dannim Texte weg. Auch unterscheidet er uo und ou und setztnur für letzteres ö (C, Z. 55), für ersteres dagegen sowohl üwie v (C, Z. 48). Auch noch eine weitere Überschreibungwendet der zweite Schreiber an: Iw (C, Z. 61), wo der erstenur iw setzt (B, Z. 11). Häufig schreibt er in Nebensilbenmitteldeutsches i für tonloses e (C, Z. 55), und wiederholt setzter auch einen Akzent (C, Z. 50). Am Anfang der Verszeilenbenützt er meist grosse Buchstaben (C, Z. 50 und vielleicht48 sind die einzigen Ausnahmen). Auch die Formen derBuchstaben unterscheiden sich nicht unwesentlich von derersten Hand, wiewohl der zierliche Grundcharakter derselbebleibt und auf dieselbe Schreibstube hinweist. Vor allem findensich hier viele feine Zierstriche, die der ersten Hand fehlen.Die geraden Oberlängen laufen meist in eine ausgesprocheneSpaltung aus (h C, Z. 45; d Z. 49; b Z. 51; 1 Z. 60; k Z. 53);daneben finden sich auch Formen des 1 oder h (Z. 66), beidenen der Schaft oben weder gespalten, noch umgebogen,sondern durch einen feinen Zierstrich schräg abgeschnittenwird. Neben dem geraden oder gespaltenen d kommt nochhäufiger das abgebogene in verschiedenen Abstufungen vor,teilweise mit sehr freiem Schwung (Z. 55); in dieses wird auchfolgendes e gelegentlich oben eingefügt (Z. 50) neben ebensohäufiger getrennter Schreibung (Z. 51). Etwas steif ist das fund die durchgeführte Ligatur ft (Z. 51). Auch das z, dessenFahne enger an den Schaft herangezogen ist (Z. 49), und dash, das nicht unter die Zeile herabreicht (Z. 52), wirken nichtso frei und leicht wie bei der ersten Hand. Weniger spitz alsbei dieser sind die v und w, die ebenfalls nicht mehr unterdie Zeile hinabreichen (Z. 49 und 56); auch das r hat selten einegerade Unterlänge (Z. 64), öfter bleibt es auf der Zeile und istnach rechts aufwärts umgebogen (Z. 46). Dabei hat es überder Fahne noch einen feinen Zierstrich. Das e hat am Wort-ende die deutlich ausgeprägte Zunge behalten.
Das Blatt ist stellenweise stark fleckig, wodurch dieDeutlichkeit der Schrift gelegentlich gelitten hat. Neben derSpalte C, Z. 40—50 schimmert die Schrift der Rückseite etwasdurch. Der Text umfasst V. 428,14 bis 435,14 nach Lach-manns Zählung.