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Frau soll einen Rock tragen, der mehr kostet als 30 Gulden. Die Ulmer Kleiderordnungvon 140b' will das Aufnähen von gar zu viel Lappen verhindern, wie sie mehr -als 8Einschnitte in einem Gewand verbietet; zu den Gugeln, den kurzen Oberröcken oderKragen mit Kapuzen sollen nicht mehr als 4 Ellen verschnitten worden. Auch fürganze Territorien erschienen später Kleiderordnungen. Die kursächsischen Adelsfiauensollen die Schleppen nicht über 2 Ellen lang tragen; keine soll mehr als einen seidenenund zwei gestickte Röcke besitzen. Auch die seit 1350 ungefähr eintretende Neigungder Deutschon, rasch deu Geschmack und die Sitten in der Bekleidung zu wechseln,führte zu einem steigenden Verbrauch an Geweben. Die schönen Trachten des 13. Jahr-hunderts machen allen möglichen Modethorheiten Platz; in üppigstem Wechsel derFarben und Formen gefielen sich die wohlhabenden Klassen, bis die Reformation auchnach dieser Richtung einen ernsteren, massvolleren Sinn verbreitete.
"Wenn der Gebrauch von Hemden, Unterkleidern. Hand- und Taschentüchern imganzen Mittelalter ein beschränkter blieb, so nahmen doch die Pfühle, Decken, Kissen,die Vor- und Umhängo, die Teppiche und Bettstücke aller Art schon im 12. und 13.Jahrhundert mit den wachsenden sonstigen Bedürfnissen ebenfalls einen viel breiterenRaum in der häuslichen Wirthschaft ein als früher. 1 Wenn die Teppiche früher nur dieKirchenwände bei festlichen Gelegenheiten bekleidet hatten, so wurde deren Gebrauchnun auch in den Privathäusern der Reichen üblich. Kurz auch nach dieser Seite hattedas spätere Mittelalter für einen ganz anderen Bedarf als früher zu sorgen.
Dieser gestiegene Bedarf bildete die allgemeine Grundlage für den Aufschwungder deutschen Gewebeindustrie, der im 13. Jahrhundert begonnen hatte und im 14.und 15. sich fortsetzte. Die Hausarbeit in Stadt und Land konnte die gewünschtenStoffe immer weniger liefern; — nicht der Menge nach, noch weniger der Farbe undsonstigen Art nach. Am Niederrhein, in Thüringen, Brandenburg und Schlesien wurdenan vielen Orten auch schon bessere Tücher gemacht; die Hauptsache blieb aber vorerst,wie im 13. Jahrhundert, der wachsende Umfang der örtlichen, die gewöhnlichen Stoffeherstellenden Weberei. Und dabei erfahren wir auch im 14. Jahrhundert von der Leine-weberei weniger, als von der Wollweberei, weil die erstere auch jetzt noch viel mehrals diese den Charakter der häuslichen Nebenarbeit behielt, eben so sehr auf dem Lande,als in den Städten ihren Sitz hatte.
Auch in Strassburg haben wir eingehende Nachrichten nur von der Wollweberei,die ihrer Technik nach eine verhältnissmässig einfache blieb; aber das theilte sie mitdem weitaus grössten Theil der übrigen Lokalweberei. Fast alle deutschen Tuchemüssen bis Ende des 15. Jahrhunderts lose gewebt und darum wenig vollkommen ge-wesen sein. Aber desshalb haben wir doch von einem bedeutsamen Fortschritt undeiner Blüthe des Gewerbes von 1300—1432 in Strassburg zu sprechen. Trotz allerpolitischen Kämpfe, trotz aller Unglücksfälle des 14. Jahrhunderts, dehnte sich die Stadtund die städtischen Gewerbe aus; das bürgerliche Selbstgefühl, das kräftige korporativeZunftleben, die beherrschende Stellung der Stadt im Mittelpunkt der Oberrheinebene,die kühne Politik, durch zahllose Verträge immer weitere Ausbürger zu gewinnen undso stillschweigend die Herrschaft Strassburgs auszudehnen, — all das brachte wohlReibungen und Händel, Kriegsreisen und Auszüge die Menge, — aber der städtischeMarkt erhielt dadurch auch die führende Stellung im Elsass und zu den wesentlichstenZeichen des grossen volkswirthschaftlichen Umschwungs von 1200 —1400 gehört auchdas Herauswachsen einer grossen und blühenden gewerblichen, für den Markt
1 Weiss, Kostümkunde v. 4—14. Jnlnh. (1864) 837 u. 840,
Strnsstj. Tuch. u. Web. Zunft, 52