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Die Strassburger Tucher- und Weberzunft : Urkunden und Darstellung ; nebst Regesten und Glossar ; ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Weberei und des deutschen Gewerberechts vom XIII. - XVII. Jahrhundert
Entstehung
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FÜNFTES KAPITEL.

Die deutsche Weberei ausserhalb Strassburgs im 14. und Anfang des

15. Jahrhunderts.

Statistik der deutschen Weber und Gewandschneider im 14. Jahrhundert. — Die damaligeArbeitsteilung. — 1) Die Wollsehläger, Garnzioher, Spinnerinnen und Kämnierinnen.

— 2) Die Leineweber. — 3) Die Baumwoll- und Barohontweber. — 4) Die Woll-weber. — 5) Die Walker. — 6) Die Färber. — 7) Die Tuchscberer. — Die tech-nischen Vorschriften in Bezug auf die Tnchmaeherei und Leineweborei. — DerZunftzwang und der Eintritt in die Zunft. — Das Lehrlings- und Knechtewesen. —Die Beschränkung der individuellen Produktion. — Sitten-, Feuer- und Kirchen-polizeiliches. — Die zünftigen Aufsichtsorgane. — Das Verhältniss zum Rath unddie Autonomie. — Die Gewandschneidergilden und der Kampf um den Tuchaus-schnitt. — Die Betheiligung der Weber und Tuchmacher an den Zunftrevolutionen.

— Rückblick auf das Zunftwesen des 14. Jahrhunderts.

Dass an andern Orten, besonders am Niederrhein und in Flandern die Webereiim 14. Jahrhundert ganz anders blühte als in Strassburg, ist unzweifelhaft; aber dieFeststellung dieser Ueberlegonheit in Zahlen ist deshalb so schwierig, weil allen Zahlen-schätzungen des Mittelalters so wenig zu trauen ist; nur urkundliche Belege oder wirk-liche Zählungen verdienen Vertrauen. 1 Wo sie neben Schätzungen vorliegen, sieht mandie Grösse des Abstandes, sieht man wie wenig die Phantasie der mittelalterlichenMenschen fähig war, gesellschaftliche. Erscheinungen auch nur ganz entfernt auf einenrichtigen zahlenmässigen Ausdruck zu bringen.

Am bekanntesten sind die Ueberschätzungen in Bezug auf die flandrischenStädte und in Bezug auf Köln. Wenn allerdings in Brügge 1309 dem Könige vonFrankreich 351 Geissein aus der Stadt gestellt werden und darunter 83 Weber,65 Walker und 14 Tuchscberer sind, 2 wenn in derselben Stadt 1302 bei dem Ausmarschedie meisten übrigen Zünfte 4—20 Pferde stellen, die Kulestrickers 13, die Färber 16,die Teppichweber 8, die Walker aber 97 mit 12 und die Weber 133 Pferde mit 14 Haupt-leuten, 3 wenn, wie wir schon erwähnten, damals die Weber im Ganzen 1984, die Walker1084 Mann (ohne Zweifel Meister und Knechte zusammen) ausrücken lassen, so werden

1 Ich möchte zu den meisten Zahlen, dieHildebrand, Jahrb. 6, 219 — 23, 7, 83—84 überdie Qewebeindustrio des Mittelalters anführt, einFragezeichen machen.

2 Warnkönig, flandr. Staats u. Rechtsgesch.2, 1. Abthl. 145.

3 Inventaire des Archives de la ville deBruges 1, 84.