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Die Strassburger Tucher- und Weberzunft : Urkunden und Darstellung ; nebst Regesten und Glossar ; ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Weberei und des deutschen Gewerberechts vom XIII. - XVII. Jahrhundert
Entstehung
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ERSTES KAPITEL.

Die Anfänge der deutschen Weberei und ihre stadtrechtliche

Ordnung Yor 1300.

Die Anfertigung von Geweben im Gesammt-Gang der Geschichte. — Indogermanische undPfahlbau-Weberei. — Die deutsche Weberei bis zur Völkerwanderung. — DerEinfluss der gallisch-romanischen Technik. — Die Bekleidung im 8.—10. Jahr-hundert. — Der Flachsbau und die friesische "Wollweberei. Das Spinnen und"Weben als häusliche Thätigkeit der Frauen. — Die Klöster und die volkswirt-schaftlichen Fortschritte vom 11. Jahrhundert an. — Die Leinewoberei auf demLande, die "Wollweberei in den Städten. — Die Zeugnisse für die Tuchmacherei des12. Jahrhunderts. — Der Charakter derselben als Ortsgewerbe im 13. Jahrhundert.— Die Nachrichten dieses Jahrhunderts über sie. — Ein Blick auf die flanderscheund französische Tuchmacherei jener Zeit. —■ Der Tuchhandel, speciell der vonItalien her. — Die Strassburger Tuchmacherei des 13. Jahrhunderts. — Volkswirth-schaftliche Erklärung des Verlangens nach rechtlich feststehender Qualität desTuches. — Die stadtrechtliche Ordnung der Wollweberei.

Fast so weit als die Kunde menschlicher Dinge überhaupt zurück reicht, könnenwir auch die erkennbaren sprachliehen und technischen Spuren der Kunst zurück ver-folgen, die den Bast, die Fasern gewisser Pflanzen, den von menschlicher Hand ge-drehten Faden zu Geflechten und Geweben vorband. Wir haben von einem Erfinderdes Webstuhls keine Nachricht. Ohne Zweifel hat sich durch tastende Versuche vonJahrhunderten hindurch sehr frühe eine Vorrichtung entwickelt, die erlaubte, durch eineAnzahl hängender, aber in gewisser Ordnung auseinander gehaltener und' wieder ge-kreuzter Fäden Querstränge zu ziehen. Damit war das Princip des alten einfachen auf-recht stehenden Webstuhls gegeben, wie er noch heutzutage im Orient vorkommt. Vondem Flechten der Aeste und der Bastriemen kam man zum Flechten der Gespinnst-Fasern; Flechten und Weben sind ursprünglich in der Sprache wie in der Technik eins.Aber immer hat es viele Jahrtausende gedauert, bis im Wandel der Generationen undVölker Spindel und Webstuhl sich allgemeiner verbreiteten, bis am Ende eines uner-messlich langen Entwicklungsprocesses das Spinnen und Weben als häusliche Arbeit derFrauen sich allerwärts eingebürgert, für die Vorstellungen und Sitten ganzer Zeitalterals die Hauptaufgabe des weiblichen Geschlechts und der Familienwirthschaft fest-gesetzt hatte.

An diese lange Entwicklungsreihe scbliesst sich unmittelbar eine andere entgegen-gesetzte, wieder viele Jahrhunderte umfassende, die langsam aber sicher wieder vonder Familienwirthschaft loslöste, was die vorhergehende ihr als Aufgabe zugewiesen. Es

^trassb. Tuch. u. Web. Zunft. 45