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seita der unentbehrliche Begleiter des höheren Wohlstandes, der nothwendige Vorgängerjenes Gleichgewichts der Gesittung war, das dann in der deutschen Malerei, in derganzen deutschen Kunst, in dem Wohlstand und dem Geistesleben der Eeformationszeitvon 1450—1550 sich uns in so schöner Weise zeigt.
Ein besonders wichtiger Umstand war es, dass an die Stelle der früher vorallem geschätzten Leinewand, wenigstens bei den höheren Ständen, durchaus die Woll-stoffe als Hauptbekleidungsstoff traten. ] Sie waren wärmer, schöner in der Farbe, gabeneinen sehr viel schöneren Faltenwurf. Aus diesem letzteren lässt sich die Veränderungsogar in der Geschichte der Plastik nachweisen. Der Pelz gemeiner Thiere, vor allemder Schafe, blieb in den unteren Kreisen als Bekleidungsstoff noch im 13; und 14.Jahrhundert sehr verbreitet; in den höhern Schichten der Gesellschaft aber wurden diefeineren Pelze bald mehr Sache des Luxus und der Verzierung als der Bekleidung.Der Bauer trug wohl noch Leinen, aber daneben auch schon die groben Wollstoffe.Der Bedarf gerade an ihnen wuchs in der Masse des Volkes ausserordentlich. Seideund Sammt, bunte Tücher, Scharlach, gestreifte Stoffe drangen daneben in steigenderMenge aus dem Süden, aus Frankreich und Flandern nach Deutschland. Das Hemdaus Leinwand oder Seide war dem hörigen Bauer und dem kleinen Bürger noch fremd,aber die mittleren und höheren Klassen forderten jetzt als regelmässige BekleidungHemd, Unterkleid, Oberkleid und Mantel. Und wenn gegen 1200 Gottfried von Strass-burg Brangäne erzählen lässt, ihre Freundin, die Königstochter Isolde habe nur einHemd auf ihrer Brautfahrt zu König Marke gehabt, wenn im Anfange des 13. Jahr-hunderts wohl überhaupt der Besitz eines Stückes, eines Bockes, eines Mantels, das vor-herrschende in allen Klassen war, so ändert sich das wie so »Vieles eben im Laufe des13. und 14. Jahrhunderts. Ulrich von Lichtenstein schon lässt sich in Venedig gleichdutzendweise die Frauenkleider machen, um zur Frauenhuldigung ausgerüstet zu sein.Und vollends ihi 14. und 15. Jahrhundert hatten die wohlhabenden Frauen ganzeSchränke voll Kleider. Ein langes Kleid, zwei kurze und eben so viel Oberröcke sindgenug für eine einfache Dame, heisst es in einer Erzählung von 1400, 2 aber eine üppigeFrau, die darum auch dem Teufel verfällt, hat 10 paar Kleider, ebensoviel kurze wielange, und ebensoviel Oberröcke. Dann brauchte man jetzt alle möglichen Schleier,Bänder, Hauben, Gürtel und Aermel; von 1350 an trug man Schleppen. Die geschlitztenund gebauschten Röcke forderten viel mehr Stoff. In der Hinterlassenschaft einer Nürn-berger Bürgersfrau des 15. Jahrhunderts traf man: 3 vier Mäntel von Arras und Mech-lischem Tuch, zwei davon mit Seide gefüttert; an Oberkleidern sechs Röcke, eineSchaube und drei sogenannte Trapperte; ferner drei Unterkleider, sechs weisse Schürz-hemden und ein schwarzes, die wohl bei der häuslichen Arbeit umgelegt wurden, zweiweisse Baderöcke, auch Trapperte genannt, fünf Unterhemden, zwei Halshemden, siebenpaar Aermel, neunzehn Schleier. Ist der Bedarf an Weisszeug, der sich hier ausspricht,noch verschwindend gegen unsere heutigen Begriffe, die Zahl der Mäntel und Ober-kleider entfernt sich von heutigen mittleren Bedürfnissen nicht wesentlich.
Die Kleiderordnungen, die das Uebermass dieses Kleiderluxus bekämpfen wollen,beginnen in Frankreich und Italien 1270—1300, in Deutschland gegen 1350. In Speierwird 1356 verordnet, dass die Hauben der Frauen nicht mehr als vier Reihen vonKrausen, die Aermel vom Ellbogen nicht über eine Elle lang sein sollen. Die ersteStrassburger Kleiderordnung stammt aus den 70ger Jahren des Jahrhunderts. Keine
1 Falke, die deutschen Trachten und Moden- 2 Falke a. a. O. 1, 176.
weit 1, 98 u. 160. s Falke a. a. O. 1, 291.