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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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34 Voraussetzungen und Grundlagen des deutschen Geißlerliedes.

der Bewegung; im Grunde wollen die Statuten in ihrem Wachs-tum und ihren Veränderungen nicht anders beurteilt werdenals die Lieder. Man muß deshalb auch mit ähnlichen Frage-stellungen an sie herangehen.

Nun ist bei den Liedern ganz greifbar, daß sie zumindestmit ihren Wurzeln in ältere Geißlerübung zurückreichen;also wäre zu versuchen, auch für die Statuten ältere An-knüpfungspunkte zu finden. Für die deutschen Geißler von1261 reichen leider die Quellen nicht zu. Es werden uns zwargewisse Formen und Normen bei den sich geißelnden Scharenerkennbar (s. o. S. 12); aber unsicher bleibt, ob die Organisationschon zu so festen Formen gediehen war, wie wir sie in denGemeinschaften von 1349 vor uns sehen. Man mag es fürwahrscheinlich halten, erweisbar ist es nicht. Aber erst wofeste Gemeinschaften sind, scheint der Platz für Statutengegeben. Auf italienischem Boden indessen hatte sich die alteGeißlerbewegung sehr bald in dauernden Bruderschaften ge-festigt und diese Confraternitäten der Disciplinati gaben sich,anknüpfend an das längst in Italien bestehende Bruderschafts-wesen, ihre Statuten; sie sind in größerer Zahl erhalten undzeigen, nebenbei bemerkt, denselben Mangel an logischer An-ordnung, über den sich Pfannenschmid bei den niederländischenStatuten wundert. Diese Disciplinatenbruderschaften, dienamentlich im nördlichen Italien bis nach Tirol l ) hinaufsehr verbreitet waren, standen im 14. Jahrh. noch in vollerBlüte. Die Frage stellt sich also von selbst, wieweit sie mitihren Einrichtungen die deutschen Geißler von 1349 beeinflußthaben.

Sie stellt sich vor allem auch, wenn man sich die Geo-graphie der deutschen Geißelbewegung von 1349 vergegen-wärtigt. Über die Ausgangspunkte dieser Bewegung ist Zuver-lässiges nicht bekannt; fest steht nur, daß sie auf oberdeutschemBoden eingesetzt hat. Im ersten Vierteljahr des Jahres 1349zeigt sie sich in Ober- und Niederösterreich voll entfaltet;die ersten Geißler treten schon im Herbst 1348 in Steiermarkauf. Das Gerücht wußte freilich von Geißlergesellschaften inUngarn 2 ), und jüngere Quellen behaupten, daß die Geißler

') Christian Schneller, Statuten einer Geißlerbruderschaft in Trientaus dem 14. Jahrh. (Innsbruck 1881) weist ihrer für Südtirol eine ganze An-zahl nach (S. 9).

>) li Muisis S. 341.