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SAVONAROLA IN DER GESCHICHTSLITERATUR
römischen Dirnen; Pastor macht daraus 40 000, was man füreinen Druckfehler halten könnte, wäre die Zahl nicht in Buch-staben angegeben. Sogar an dem gewiß harmlosen Briefwechseldes Frate mit dem Herzoge seiner Vaterstadt nimmt Pastor nachdem Vorgange Grisars Anstoß; in seinen Augen ist dies „eine Tat-sache, welche ein sehr bedenkliches Licht auf seinen Charakterwirft 179 ". Wie schon Perrens und Böhringer, liebt es auch Pastor,die Unbeständigkeit und Oberflächlichkeit der vom Prediger her-vorgerufenen religiösen Erneuerung zu betonen, ohne zu beden-ken, daß dieser, hätte er wirklich nur flüchtige Augenblickserfolgeerzielt, doch nur das Los zahlloser anderer Kanzelredner und Mis-sionäre geteilt hätte, deren Errungenschaften meist ebenfalls nurvon kurzer Dauer waren. Überdies wäre es wahrlich kein Wundergewesen, wenn die Piagnonen angesichts der furchtbaren Verfol-gung, der sie nach dem Tode ihres Meisters ausgesetzt waren,diesen verleugnet hätten. Und doch muß selbst Pastor zugeben,daß sie sein Andenken schon bald wieder zu Ehren brachten undnoch nach Jahrzehnten in unverbrüchlicher Treue an ihm fest-hielten! Pastor ergeht sich in Worten tiefster Entrüstung über denUngehorsam des widerspenstigen Mönches, obschon sich selbstKardinal Capecelatro zur Einsicht bekehrt hatte, daß von einemschuldbaren Ungehorsam nicht mehr zu sprechen sei. Man hättedenken sollen, daß der Geschichtschreiber der Päpste gerade vomstreng kirchlichen Standpunkte aus das Auftreten eines Manneswie Savonarola freudig begrüßt hätte, das durch die Verworfenheitder Borjas förmlich herausgefordert und das glänzendste Zeugnisfür die Heiligkeit der Kirche selbst in Zeiten größten Verderbenswar. Statt dessen brachte er den einzigen Mann, der als das ver-körperte Gewissen der Christenheit furchtlos zu sagen wagte, wasUnzähligen auf der Seele brannte, einem Scheusal wie Alexan-der VI. zum Opfer. Zwar will er den Frate nicht gerade zum Be-trüger stempeln, spricht sich aber doch mit Perrens und Grisarin einer Weise aus, die mit der Annahme seiner Gutgläubigkeitkaum mehr vereinbar ist. Aus Perrens und Grisar entlehnt Pastorauch den Vorwurf des Mangels an „Demut" und „demütigem Ge-horsam", den er gegen den Frate erhebt. Vorzüge, die Kloster-frauen ausgezeichnet zu Gesichte stehen mögen, zieren jedoch nichtjedermann. Für Männer, die an weltbewegenden Aufgaben arbei-ten, gibt es höhere und notwendigere Tugenden als jene „iimi-