XXXVII. Kapitel.DIE VEREHRUNG DES TOTEN.
Selbst wenn du mich umbringst, so stehe ich doch wieder auf.
Savonarola (R XXIII, 493).
Legt schon der erbitterte Krieg, welchen die Gegner ein Jahr-hundert hindurch gegen das Andenken des Frate führten, dasglänzendste Zeugnis davon ab, in wie hohen Ehren es immer nochstand, so ließen seine Jünger und Freunde erst recht keinen Zwei-fel daran aufkommen, daß sie ihm trotz seines schmählichenEndes und trotz aller Verfolgung in unverbrüchlicher Treue er-geben blieben. Schon bei seiner Hinrichtung hatten sich vornehmeFrauen, als Mägde verkleidet, mit kupfernen Schüsseln herange-schlichen, um seine Asche einzusammeln, waren aber von denSchergen erkannt und mit Schlägen vertrieben worden 1 . Doch ge-lang es Kindern, einiges von den Überresten, die von den Henkernauf Karren nach dem Arno gefahren wurden, an sich zu bringenund besonders den Arm zu retten, der, von Steinen getroffen, zurErde gefallen war; ebenso schätzte sich ein Edelmann glücklich,einen Teil des Schädels zu bergen, nach dem die Buben geworfenhatten 2 . Ungeachtet alles Hohnes und Spottes und aller Bedrük-kungen, denen die Piagnonen schutzlos preisgegeben waren, hattenmannhafte Frauen den Mut, schon wenige Tage nach dem furcht-baren Trauerspiel an der Stelle, wo der Galgen gestanden war, zuandächtigem Gebete niederzuknien 3 , und Jahrhunderte lang pfleg-ten fromme Seelen am Jahrestage der Hinrichtung die Todesstättemit Blumen zu schmücken 4 . Auch die Brüder von S. Marco er-holten sich von dem lähmenden Entsetzen, dem sie auf die Kundevon den Geständnissen des Frate verfallen waren, wenigstens zumTeil. Es konnte ihnen nicht verborgen bleiben, wie diese „Ge-ständnisse" und der aus ihnen gezimmerte Prozeß entstanden wa-ren, und so baten sie ihrem verewigten Meister beschämt und reu-mütig das schwere Unrecht ab, das sie ihm durch ihren schmäh-lichen Abfall zugefügt hatten, und suchten ihre Untreue durch