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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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XXXI. Kapitel.DER PREDIGER.

Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen,Wenn es nicht aus der Seele dringt,Und mit urkräftigem BehagenDie Herzen aller Hörer zwingt.

Goethe.

Der selige Jordan von Pisa aus dem Orden des heiligen Domini-kus, der 1311 im Rufe der Heiligkeit starb 1 , sagte in einer Predigtauf seinen heiligen Ordensstifter 2 :Als der heilige Dominikus dieKirche Gottes verfallen sah, ward er von Gott mit Eifer für sieerfüllt, und er ging zum Papste und bat ihn um die Erlaubnis zurPredigt. Der Papst wunderte sich darüber, denn damals predigtennur die Bischöfe; die Mönche, Priester und Einsiedler predigtendamals nicht, Gott bewahre, sondern nur die Bischöfe. Das warihr eigentliches Amt, und auch mit ihnen war es so weit gekom-men, daß sie fast niemals predigten. Vom heiligen Augustin undvom heiligen Hieronymus ist zu lesen, daß sie zeitweise Homilienan das Volk richteten, und das taten sie selten. Von den anderenwird nicht berichtet, daß sie predigten, es sei denn ganz selten.Das ganze Jahr über hielt der Bischof in einer Stadt eine Predigt,so daß man nicht wußte, was predigen heiße... So war dennder heilige Dominikus der erste, der einen Predigtorden stiftete,und das ist keine Lüge, denn niemand war vorher, der predigte.Er war der erste Prediger und machte seine Mönche, die ihmfolgten, zu Predigern. Alle die anderen Mönche, die in großerZahl kamen, alle übernahmen die Predigt von diesem Orden."Gewiß geht der Selige hier in seiner frommen Begeisterung fürseinen Ordenspatriarchen zu weit; unbestreitbar bleibt gleich-wohl, daß die Verdienste des heiligen Dominikus und seines Or-dens um die Predigt nicht hoch genug zu veranschlagen sind.Sicher wurde vor ihm wie auch zu seiner Zeit viel mehr gepredigt,als Jordan wahr haben will. Doch behält er mit der Behauptung