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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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XXXV.

Kapitel.

STELLUNG

ZUR

KUNST

UND

DEN

KÜNSTLERN.

In den sichtbaren Dingen ist das unsichtbareWesen Gottes zu erkennen. Rom. 1, 20.

Ungleich höher als Dichtkunst und Wissenschaft wertete Savo-narola die bildenden Künste. Regte sich das künstlerische Blutin ihm, das von Hektor de' Bonacossi 1 her, einem Verwandtenseiner Mutter, in seinen Adern rollte? Jedenfalls hatte schonsein Großvater warmes Verständnis für die künstlerischenSchöpfungen bekundet 2 , die sein geliebtes Padua verherrlichten.In S. Marco aber sah sich der Frate auf Schritt und Tritt, wo erging und stand, von den hehren Gestalten umgeben, wie sie FraAngelicos aus dem Himmel entlehnter Pinsel an die Wände derKlostergänge, der Säle und Zellen gezaubert hatte. JedenAugenblick spürte er den belebenden Hauch frommer Andacht,der sich von ihnen in die Seele des Beschauers ergoß, an seinenKlostergenossen, und an den einfältigsten Laienbrüdern unterihnen zuerst; und dieselbe Wirkung edler religiöser Kunst-werke gewahrte er an den Gläubigen. Wie hätte er, der ja allesnur nach seiner Bedeutung für die Ewigkeit abschätzte, denbildenden Künsten, die sich als ein so kräftiger Hebel religiöserErbauung bewährten, seine Anerkennung versagen können?Freilich sah er auch das viele Unheil sehr wohl, das von so man-chen Werken neuerer Künstler ausging, die sich unter der Ein-wirkung der Überreste des als Inbegriff künstlerischer Vollen-dung bewunderten Altertums mehr und mehr in den Dienst derSinnlichkeit erniedrigt hatten. Wie in allen Bereichen des Lebens,so wollte er mit dem Christentume auch in der Kunst Ernst ge-macht wissen. Wohl ohne es zu ahnen und sicher ohne es zuwollen, befand er sich im vollen Einklänge mit der griechisch-orthodoxen Kirche, die als getreue Hüterin nltchristlichenErbes bis in die Gegenwart herein stets alles aus den Gottes-häusern verbannte, was die Sinne kitzelte, und besonders die