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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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XXXVI. Kapitel.DIE VERFOLGUNG DES TOTEN.

Savonarola hatte eine Geschichte auch nach seinem Tode.

Ranke.

Hatten es die Gegner mit ihrem wütenden Kampfe wider denFrate nicht so sehr auf seine Person wie auf sein Werk abgesehen,auf die von ihm angebahnte Ordens- und Kirchenreform sowieauf die ihr dienstbare Volksherrschaft, so vermochten sie sich mitseinem Tode nicht zu beruhigen, solange sie mit seiner Personnicht auch seinen Geist aus ihrer Mitte getilgt und das von ihmbetriebene fromme Leben und Streben abgestellt hatten. Bei derengen Verbindung, die zwischen dem religiös-sittlichen Auf-schwünge der Bürgerschaft und dem Anhange des Frate bestand,hatten die Gegner schon bei seinen Lebzeiten jeden Erfolg be-nützt, um in der Verletzung der guten Sitte ihn selbst zu treffen;in derselben Weise eröffneten sie nun, nachdem sie den Lebendenhinweggeräumt halten, den Krieg gegen den Toten. In der vonihm aufgerichteten christlichen Ordnung und Zucht lebte er fort;die Compagnacci und Arrabbiati und ihre Spießgesellen aus derHefe des Volkes konnten sich darum in Ausschweifungen undRoheiten aller Art nicht genug tun, um ihn und seinen Einflußzu bannen. Statt des verheißenen Himmels auf Erden war nundie Hölle los 1 . Geistliche und Ordensleute machten sich den Wan-del der Dinge zunutze, und es schien, als sei ein ehrbares Lebengesetzlich verboten und als gebe es keine größere Schande undkein ärgeres Verbrechen mehr, als dem Frate geglaubt und dieReform der Kirche ersehnt zu haben 2 . Vor allem öffnete man dieSchenken und schlechten Häuser, wo man zum Hohne auf ihnseinen LieblingsversEcce quam bonum" sang 3 . Alle Laster, diesich scheu in die entlegensten Winkel verkrochen hatten, wagtensich frech wieder ans Tageslicht.Nun kann man doch wiederungestört sodomitieren", sagte Benvenuto del Bianco, einer derneuen Zehn, nach dem Tode des Frate zu einem Amtgenossen*.