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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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XXIX. Kapitel. ,

DER BETER UND MYSTIKER.

Nicht um Zepter bitt' ich und nicht um Kronen,Nicht, daß du mit Städten und Festen mich mögest lohnen;Um das eine nur, lieber Gott, fleh' ich aus tiefstem Grunde:Mit deiner Liebe mein Herz verwunde!

Savonarola.

Savonarola war ein Mann des Gebetes, wie wenige in der Reli-gions- und Kirchengeschichte.So fleißig und unablässig oblager", wie Johann Franz Pico berichtet 1 ,dem Gebete, und mit sol-chem Eifer huldigte er ihm, daß er die lebendige Verkörperungdes evangelischen Gebotes darstellte: ,,Betet ohne Unterlaß!" MitAusnahme der wenigen Stunden, die er der Ruhe gönnte erpflegte nur vier Stunden zu schlafen 2, verwendete er die ganzeNachtzeit auf Gebet und Betrachtung. Ebenso verbrachte er denTag mit öffentlichen und eigenen Gebeten, die kurze Frist abge-rechnet, die den Bedürfnissen der Natur und der Verkündigungdes göttlichen Wortes oder der Besprechung mit Freunden gewid-met war, von welchen er in verschiedenen Angelegenheiten zuRate gezogen wurde. Dank seiner Herzensreinheit und seiner Aus-dauer im Gebete hatte sein Verkehr mit Gott eine solche Vertraut-heit erlangt, daß er ihn angehen konnte, ihn keine Fehlbitte tunzu lassen. Soweit hatte er es dank seiner Gottesliebe gebracht,daß er das letzte Jahrzehnt vor seinem Tode ohne besondere gött-liche Unterweisung keine Predigt mehr hielt eine Gnade für-wahr, wie sie nur in den seltensten Fällen und nur den wenigstenMenschen zu Teil wird." Eine franziskanische Seele, lebte undschwebte er mit all seinen Gedanken, mit seinem ganzen Sinnenund Trachten in Gott, liebte Gott in seinen Geschöpfen und dieGeschöpfe in ihrem Gotte. Alle irdischen Dinge betrachtete er alsAbbilder und Fußtapfen Gottes. Wer in der Heiligen Schriftselbst nicht lesen kann, sagte er, der mag Gottes Liebe in denGräsern und Blumen der Au und in den Blättern der Bäume er-