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XXXVIII. Kapitel.
SAVONAROLA IN DER GESCHICHTE.
A. Die zeitgenössischen Quellen.
Was wir gehört und mit eigenen Augen gesehenhaben, das verkünden wir euch.
1 Joh. 1, 1.
Savonarolas Leben und Wirken spielte sich im vollen Lichtedes Tages ab, im Angesichte einer zahlreichen Ordensgemeindeund unter den Augen der kirchlichen wie staatlichen Behörden,inmitten einer hochgebildeten Gesellschaft, die, voll scharfer Be-obachtungsgabe und reicher Menschenkenntnis, im Anschlüsse andas leuchtende Vorbild des Altertums wie im Bestreben, sich selbstwie Kindern und Kindeskindern Rechenschaft von den wichtig-sten Ereignissen der näheren und weiteren Mitwelt zu geben,gerne zur Feder griff. Die Quellen zur Geschichte Savonarolasströmen daher reichlich genug, zumal da wohl noch manchewertvollen Aufzeichnungen der Veröffentlichung harren, obschonkein Grund zur Befürchtung ist, das auf Grund der bisherigenÜberlieferung entworfene Bild des Frate könnte durch etwaigekünftige neue Entdeckungen eine wesentliche Veränderung er-leiden.
Weitaus der wichtigste Zeuge seines inneren wie äußerenLebens und Strebens ist Savonarola selbst. Er spricht zu uns deut-lich vernehmbar und vollkommen glaubwürdig in seinen hinter -lassenen Schriften, besonders in jenen, die den getreuesten Nieder-schlag seiner hauptsächlichsten und einschneidendsten Tätigkeitbilden, in seinen Predigten. In lebhafter Auseinandersetzung mitseinen Anhängern und Gegnern, mit den kirchlichen und staat-lichen Obern und Würdenträgern wie mit den gesellschaftlichen,sittlichen und kulturellen Verhältnissen der Zeit, enthüllt er hierseine ganze Seele, seine Grundsätze, seine Triebkräfte und Ab-sichten, auch an gelegentlichen Mitteilungen oder Andeutungenüber seine persönlichen Erlebnisse ist kein Mangel. Obschon