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SAVONAROLA IN DER GESCHICHTSLITERATUR
Konzil fortreißen lassen. „Konnte er denn wirklich", ruft Grisaraus, „bei diesen exorbitanten Schritten, bei diesem Ungehorsamund dieser Aufreizung, das unzweifelhafte Bewußtsein höhererSendung besitzen und jene heilige Ruhe in der Brust bergen, dieGott seinen Berufenen zu schenken pflegt?" Wie ganz anders derheilige Karl Borromäus und Ignatius von Loyola! „Was hatdas ruhig klare, von Gehorsam und Ergebung gegen Petri Sitzgeleitete Wirken dieser Männer mit den Sturmrufen jenes Volks-führers gemein, der alle Leidenschaften zu seinen Zwecken auf-peitscht und zuletzt denen, welche etwa stutzig und nachdenklichum Garantie für seine Mission fragen, nichts anderes aufweisenkann als sein eigenes unfehlbares Orakel? Auch einem Alexan-der gegenüber hätten sich Heilige, wie Ignatius, ganz anders ver-halten als Savonarola. Von der offenen Auflehnung Savonarolasabgesehen und nur von seinem öffentlichen Tadel gegen denPapst zu sprechen, so verkündigte Ignatius im Gegenteil den be-kannten und in jenen Jahren der Umwälzung doppelt beherzigens-werten Grundsatz: Ist auch das Benehmen der Vorgesetztenschlecht, so erzeugt das Auftreten gegen sie in der Rede, beson-ders öffentlich und vor dem gewöhnlichen Volke, dennoch eherUnruhe und Ärgernis als Nutzen. Dagegen kann man Wirkungerzielen, wenn man den Oberen selbst oder solchen, die zur Ab-hilfe berufen sind, darüber Vorstellungen macht." Man male sichaus, welchen Erfolg Savonarola errungen hätte, wenn er einemManne wie Alexander Vorhalt über seine Ruchlosigkeit gemachthätte! Übrigens war es nicht erst Ignatius, der eine öffentlicheRüge der Oberen widerriet, andere Heilige hatten dies längst vorihm getan; wir erinnern uns aber, daß es auch Heilige gab, diedem entgegengesetzten Grundsatze huldigten. Wenn Grisar ver-sichert, Ignatius hätte sich einem Alexander gegenüber andersverhalten als der Frate, so sei ihm nicht widersprochen. Sicherist nur, daß er in glücklicheren Zeiten lebte, in welchen das Mor-genrot besserer Zeiten bereits angebrochen und das von allen Gut-gesinnten längst heiß ersehnte Konzil im Gange war. DaßSavonarola, wie Grisar behauptet, eine Prüfung seiner propheti-schen Sendung verweigert habe, ist nicht richtig; er ging nur nichtnach Rom, entschuldigte sich aber mit Gründen, die selbst derPapst anerkannte, der seine Lehre zudem durch einen eigenenAusschuß gelehrter Theologen gründlich prüfen ließ. Für die