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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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SAVONAROLA IN DER GESCHICHTSLITERATUR

Kirche immer nur Sache des obersten Hirten und der von ihmberufenen Konzilien, niemals aber eines einzelnen untergeord-neten Kirchengliedes sein. Unrichtig sei schon Marcheses Auf-fassung, die etwa von einem Papste wie Hadrian VI. gutgeheißeneund tatkräftig unterstützte Reform des Frate hätte mit den Miß-bräuchen aufgeräumt, die Luther den Anlaß zur Reformationgaben. Mochte Luthers Empörung immerhin im schlechten Lebenund in der Habsucht eines großen Teiles des deutschen KlerusNahrung finden, so gab ihm den wirklichen Vorwand zu seinemAufrühre doch nur der Ablaßhandel, der lediglich seinem schnö-den Neide gegen die Dominikaner entsprang. So wenig wieLuther, kann nun aber Savonarola als Reformator gelten; willman ihn einen Märtyrer nennen, so bezeichne man ihn nicht alseinen Märtyrer seines Reformeifers, sondern lediglich seiner zügel-losen Liebe zur Volksherrschaft. Obschon keiner sehr hartenFolter unterworfen, so bekannte er sich in den gerichtlichen Ver-hören als schuldig, wie sich ja die Echtheit seiner Aussagen schonaus dem Abfalle seiner Mönche ergibt. Wenn Marchese die Frageaufwerfe, ob denn die Gegner Savonarolas katholischer sein woll-ten als der heilige Philipp Neri und die heilige Katharina vonRicci, so sei zu erwidern, sie brauchten doch auch nicht nach-sichtiger als seine eigenen Ordensgenossen zu sein, die ihn ver-dammten. Übrigens hätten sicher auch diese Heiligen den Fratenicht so hoch geschätzt, wenn sie den wahren Sachverhalt,namentlich die Konzilsbriefe und die nunmehr veröffentlichten Ur-kunden, besonders den Prozeß, gekannt hätten 160 . In das Hörn seineritalienischen Ordensgenossen stieß der deutsche Jesuit JP. Grisar,dessen Auslassungen die grundsätzliche Gegnerschaft der Gesell-schaft Jesu wider den Frate am schärfsten und vollständigsten zumAusdrucke bringen und daher nähere Berücksichtigung heischen.Anläßlich seiner Besprechung 170 der Schrift des DominikanersBayonne betont er, die von diesem angebahnte Heiligsprechungdes Ferraresen wäre nur möglich, wenn neue Urkunden Mit-teilungen brächten, durch welche die bisher bekannten Quellenso wesentlich ergänzt oder verbessert würden, daß die in derkatholischen Literatur geläufige Beurteilung, wie sie namentlichdurch Hergenröther formuliert wurde, berichtigt werden müßte.Dies sei nun aber nicht nur nicht der Fall, im Gegenteil schließeA. Cosci seinen Bericht über die neuesten Quellenveröffentlichun-