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SAVONAROLA IN DER GESCHICHTSLITERATUR
Frate gegen die landläufigen Beschuldigungen der gelehrte AntonMagliabechi (1633—1714) in Schutz, der beste Kenner seinerWerke, Bibliothekar des Großherzogs Cosimo III. von Toskana.In einem Schreiben 22 an den protestantischen Stadtpfarrer Theo-phil Spizel von S. Jakob in Augsburg vom Jahre 1679 bezeichneteer diese Vorwürfe als vollständig haltlos, denn Savonarola sei alsBürger, als Christ und als Ordensmann nicht bloß berechtigt,sondern sogar verpflichtet gewesen, sich zu einer Zeit, da allesdrunter und drüber ging und Sittenlosigkeit und Atheismusschamlos ihr Haupt erhoben, um die Politik anzunehmen, wiedies unter ähnlichen Verhältnissen auch zahllose Heilige taten.Hätte er nach Ehren und Würden gezeigt, so würde er den Medicinach Gefallen geredet und dem Papste geschmeichelt haben, derihm den Kardinalshut anbot. Die böswilligen Anklagen, die gegenihn im Schwange sind, gehen meist auf den Prozeß zurück, deroffensichtlich gefälscht ist.
Die Stellung, welche die Protestanten zu Savonarola einnahmen,war durch die Natur der Sache gegeben. Denn einerseits konntensie einem Manne ihre Anerkennung nicht versagen, der ob seinerreformatorischen Tätigkeit vom Papste dem Galgen überantwortetworden war, zumal da sie in seinen Schriften manche ihnen eigen-tümlichen Lehrsätze zu finden glaubten, anderseits mußte seinstandhaftes Festhalten an der katholischen Kirche, ihrer Ver-fassung, ihren Lehren und Sakramenten notwendig ihr Mißfallenerregen. Als Martin Luther 1510 auf seiner Romreise nachFlorenz kam, waren die Flammen, die den Frate und seine Ge-nossen verzehrt hatten, so wenig verraucht wie der Zorn seinerGegner, und so mochte der deutsche Augustiner, ob er nun beiseinen Ordensbrüdern in Heilig Geist oder im prächtigen KlosterMarianos von Gennazano vor dem Tore S. Gallo Herberge nahm,über das Wirken und Ende des Propheten wenig Gutes erfahrenhaben. Neuerdings ward er an ihn erinnert, als er 1521 auf demWege zum Wormser Reichstage in Naumburg weilte und hiervon einem Priester „des frommen christlichen Savonarola" Bild-nis mit der Mahnung erhielt, „bei der erkannten Wahrheit mitbreitem Fuß auszuhalten, denn sein Gott werde mit ihm sein undfest bei ihm stehen 23 ". Als es sich nun 1523 darum handelte,Savonarolas längst auch in Deutschland beliebte Erklärung desPsalms Miserere neu aufzulegen, bezeichnete ihn Luther in seiner