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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DIE LEBENSBESCHREIBUNGEN

nisse, das die Ruhe und den Fortschritt stört, zu steuern sei; sieüberzeugen sich, daß es nur durch Beseitigung des Ruhestörersgeschehen könne. Unter dem Beifall aller Gebildeten wird ihmder Prozeß gemacht, und endlich wird er als Fälscher, Prophet,Schwindler und vorgeblicher Wundertäter, der sich doch selbstnicht helfen könne, unter den Verwünschungen des fanatisiertenPöbels hingerichtet." Pico kannte das weitverbreitete Buch desMinoriten Bartholomäus von Pisa (f 1401) „Von der Gleichförmig-keit des Lebens des heiligen Franz mit dem Leben des HerrnJesus" 3 ". Nach seinem Muster wies er denn nun auch auf dieGleichförmigkeit des Lebens Savonarolas mit dem des Erlösershin", die er hauptsächlich in folgenden Stücken fand: Wie dieMenschwerdung Christi, so wurde auch die Ankunft des Fratelange vorher geweissagt. Wie Christus auf die Welt kam, um dieevangelische Botschaft zu verkünden, so war auch der Frate zurVerkündigung des Evangeliums gesandt, das bereits zum Gespöttgeworden war. Wie Christus die falschen Gesetzesauslegungenund menschlichen Satzungen und Überlieferungen verdammte, sozog auch der Frate gegen die Veräußerlichung der Religion zuFelde. Wie Christus wirkte der Frate nicht bloß durch sein Wort,sondern noch mehr durch sein erhabenes Beispiel. Wie Christus,da er die Hohenpriester und Schriftgelehrten rügte, dem Todeüberantwortet wurde, so auch der Frate. Wie Christus von denHohenpriestern beschuldigt wurde, er wiegle das Volk auf undverweigere dem Kaiser den Zins, so wurde der Frate beklagt, eruntergrabe die Gewalt des Papstes. Wie Christus hing der Frateam Kreuze, der eine wie der andere inmitten zweier Genossen.Der Hohepriester, der den Erlöser zum Tode verurteilte, hatte dasPriestertum, wie es heißt, um Geld erkauft; ebenso war nur eineStimme in der Christenheit, der Papst, der den Frate verdammte,habe das Papsttum eingesteigert. Wie Christus vor seiner Kreuzi-gung angespien, gegeißelt und mit Dornen gekrönt wurde, sowurde der Frate angespien und mit Fußtritten und Faustschlä-gen mißhandelt. Beide beteten für ihre Verfolger. Beide sagtenihren Tod voraus. Beide litten in der Karwoche, beide wurden zurselben Zeit verherrlicht, am Feste der Himmelfahrt bzw. am Vor-abend. Beide wurden im Tode von ihren Jüngern verlassen. Beideerschienen ihren Verehrern nach ihrem Tode, Christus in seinemwirklichen, der Frate in einem ätherischen Leibe. Wie die Ge-