DAS BUCH DER „GLEICHFÖRMIGKEITEN"
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Neapel." In seinem Werke „Über das Vorherwissen 8 '" unter-scheidet Pico zwischen göttlich-prophetischer, natürlich-mensch-licher und abergläubisch-dämonischer Voraussagung und hält dieerste für ebenso unzweifelhaft wie die zweite und dritte. Daß essich nun aber beim Frate nur um eine wahrhafte Prophetie han-deln könne, das steht ihm unerschütterlich fest — die Geschickeseines Vaters Galeotto, seine eigenen harten Erlebnisse sowie diegroßen kirchenpolitischen Ereignisse, die alle vom Frate vorherge-sagt waren, lassen ihm hieran keinen Zweifel auf kommen. Ward nunaber der Frate von Gott durch zahllose Wunder verherrlicht undmit der Gabe übernatürlicher Erleuchtung ausgezeichnet, so warsein Leben das eines Heiligen und sein Tod war der eines Mär-tyrers, und nichts anderes will Pico in seiner Schrift von der erstenSeite bis zur letzten beweisen. Ein deutliches Merkmal der Wahr-heit der christlichen Religion ist ihm namentlich das schlimmeEnde ihrer Verfolger, eines Herodes, Pilatus, Diokletian 00 ; undso erkennt er denn auch im üblen Ende der Feinde des Frate densprechendsten Beweis seiner Unschuld und Heiligkeit. Was ihmaber ganz besonders in die Augen springt, das ist die überraschendeGleichförmigkeit seines Lebens und Leidens mit dem des Erlösers,die er aufs nachdrücklichste hervorhebt. Ranke sieht darüberhinweg, obschon er an der „beinahe blasphemischen Nachahmungder Leidensgeschichte Jesu Christi" durch Burlamacchi Ärgernis £% ,-r»/,nimmt, dem Erzähler als Schuld anrechnend, was im Stoffe selbstschon gelegen ist. Schon der Sienese Sigismund Tizio (1458—1528)bemerkt, da der Frate zwischen zwei Genossen wie Christus zwi-schen den beiden Schachern am Galgen hing, so habe man in seinerHinrichtung eine Nachbildung der Kreuzigung Christi gesehen,„ein zu unserer Zeit unerhörtes Ereignis 91 ". „Es gibt", schreibtein ebenso kundiger wie unbefangener Denker 82 , „keinen besserenKommentar zu den Evangelien als das Leben Savonarolas . . . Derdargestellte Inhalt ist in den Grundzügen derselbe; die einzelnenZüge kehren mit einer Erstaunen erregenden Regelmäßigkeit wie-der. Zuerst bewirkt die Predigt vom Reiche Gottes und von derNichtigkeit der Welt und ihrer Lust, ihrer Macht und ihrer Herr-lichkeit, ihrer Kultur und Kunst eine seltsame Gärung in den Ge-mütern besonders der kleinen Leute, sie jubeln dem großen Pre-diger und Wundertäter zu. Dann tun sich die Herren dieser Welt,geistliche und weltliche, zusammen und beraten, wie dem Ärger-
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