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DIE ZEITGENÖSSISCHEN QUELLEN
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langt, es seien in der Untersuchung viele Lügen über den Frateverbreitet worden".
Großes Gewicht wurde von neueren Geschichtschreibern derDarstellung beigelegt, welche Bartholomäus Cerretani (1475 bis1524) in seiner uns handschriftlich überlieferten florentinischenGeschichte dem Frate widmet 25 . Sohn einer alten Familie, stander im 20. Lebensjahre, als der Frate im Herbste 1494 in denMittelpunkt des öffentlichen Lebens der Arnostadt trat, erlebtealso die Zeit des Propheten als unmittelbarer Zeuge mit. Er ge-hörte nicht zu seinen unbedingten Bewunderern. Seine nächstenFreunde und Angehörigen zählten zu den eifrigsten Anhängernder Medici, einer von ihnen, Johann Cambi, der Kaufmann,endete unter dem Beile des Henkers, das Valori im August 1497über die unglücklichen fünf Verschwörer herabsausen ließ. Manmöchte daher erwarten, Cerretani werde seinen vollen Unmut andem Mönche auslassen, der keinen Finger rührte, um Valorisübermäßige Hitze zu dämpfen. Dies ist jedoch keineswegs derFall. Er ist sichtlich bemüht, ihm Gerechtigkeit widerfahren zulassen, ja, er neigt augenscheinlich zu den Frateschen hin, festüberzeugt, der Frate sei von keinen niedrigen, selbstsüchtigen Be-weggründen beseelt gewesen, wenn es auch unentschieden bleibenmüsse, ob er hinsichtlich seiner prophetischen Sendung im gutenGlauben gehandelt habe, oder nicht doch vielleicht feiner Selbst-täuschung zum Opfer gefallen sei. Vor einer Überschätzung desQuellenwertes der Geschichte Cerretanis muß jedoch schon dieErwägung bewahren, daß sie den geschilderten Ereignissen nicht,wie das Tagebuch Parentis, gleichzeitig ist, sondern erst 1511 ent-stand; selbst einer ihrer Bewunderer gibt zu, Cerretani sei nichtüberall gleich zuverlässig 26 . Noch viel entschiedener tritt Cerretaniin seiner 1520 verfaßten Schrift „Zwiegespräch über die Staats-umwälzung in Florenz", worin er die Geschichte der auf die Rück-kehr der Medici 1512 folgenden acht Jahre behandelt, auf dieSeite des Frate 27 , macht aber zugleich auch kein Hehl aus seinerBewunderung für den „Bruder Martin Luther, diesen ehrwürdigenOrdensmann, dessen Schriften in Italien und besonders in Romgrößtes Aufsehen erregten und erkennen ließen, daß er ein durchWandel, Gelehrsamkeit und Frömmigkeit gleich ausgezeichneterMann sei, da seine Sätze der Lehre wie auch dem Leben der Ur-
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