VAGLIENTI UND GINORI
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sich auch an Franz Valori um seine Vermittlung, der denn auchden damaligen florentinischen Gesandten in Mailand, GuidantonVespucci, in einem warmen Schreiben 22 ersuchte, die Angelegen-heit dem Herzoge, der damals die Oberherrschaft über Genuaausübte, zu empfehlen. Gleichwohl trug Vaglienti kein Bedenken,die Frateschen, unter welchen sein Gönner Valori eine so hervor-ragende Rolle spielte, in seiner Chronik als die verworfenstenLeute hinzustellen, als einfältige Tölpel, die dem Frate kläglichauf den Leim krochen. Allerdings waren sie insofern entschuld-bar, als der Frate, dieser der Hölle entsprungene Teufel, der ab-gefeimteste Meister der Heuchelei und Verstellung war, einschlauer, scheinheiliger Fuchs und Lügenprophet, der gleichwohlbei seinen Anhängern größeren Glauben erntete als selbst dieEvangelien und der Apostel Paulus. Auf diesen Ton ist der ganzelange Abschnitt gestimmt, in dem Vaglienti vom Frate handelt.Er hat seine helle Freude an seinem schmählichen Untergangeund an seiner Hinrichtung. Schwerlich wird man den Angabeneines so haßerfüllten Zeugen Gewicht beimessen, obschon jedeZeile seines Berichtes von der mühsam verhaltenen BewunderungKunde gibt, die ihm die hoheitsvolle Persönlichkeit des Prophetenabringt.
Von der heftigen Sprache Vaglientis sticht in vorteilhaftesterArt die vornehme Ruhe ab, mit welcher Thomas Ginori, Sproßeiner der ältesten Geschlechter, obschon kein Fratesche, in seinemTagebuche über den Frate berichtet 23 . Er mißt ihm die alleinigeSchuld an der „unbeschreiblichen Uneinigkeit" der Bürger bei,läßt den Bann nur deshalb über ihn verhängt worden sein, weil erdie bevorstehende Erneuerung der Kirche und die ZüchtigungItaliens vorhergesagt und prophetische Würde in Anspruch ge-nommen habe. Bei Schilderung der Feuerprobe enthält er sichaller Vermutungen über Schuld oder Unschuld des einen oderanderen Teiles, ebenso knapp ist seine Erzählung der Gefangen-nahme des Frate, obschon er sich damals, wie er selbst bemerkt,im Palaste der Signoren aufhielt. Bedenkt man nun, daß er derSignorie selbst angehörte, so wird man ermessen können, was esbedeuten wollte, wenn er zwar die angeblichen Geständnisse desFrate verzeichnete, diesen Eintrag dann aber mit der Begründungdurchstrich, bei genauerer Prüfung sei er zur Überzeugung ge-
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