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DIE ZEITGENÖSSISCHEN QUELLEN
zu; Savonarola dagegen war vor allem Christ und Mönch. Parentiwar eifriger Anhänger der Astrologie, die der Frate verdammte.Dieser trat aufs lebhafteste für das französische Bündnis ein, dasParenti verwarf. Für den Frate war nur der gute Christ ein guterBürger, für Parenti umgekehrt nur der gute Bürger ein guterChrist. Gewohnt, an Personen und Dinge vor allem den wirt-schaftlichen und politischen Maßstab anzulegen, sah Parenti imFrate die politische Größe, die er um so entschiedener ablehnte,je empfindlicher die wirtschaftlichen Schäden waren, für welcheer ihn verantworlich machte. Unter solchen Umständen wirdman sich nicht wundern, wenn Parenti einer so durch und durchreligiösen Erscheinung, wie Savonarola es war, nicht gerecht zuwerden vermochte und ihn als Parteimann durch die Parteibrillebeurteilte. Gleichwohl sind seine inhaltsreichen Aufzeichnungenfür die Savonarolaforschung von unschätzbarem Werte, weilsie uns eine Fülle kostbaren Stoffes überliefern und sich vonbeiden Gegensätzen gleich fernhalten, von überschwänglicher Ver-himmelung wie von blinder Gehässigkeit. Ja, gerade daß er alsGegner des Frate schreibt, verleiht den Ausdrücken warmer An-erkennung, in welchen er sich wiederholt über den Frate ergeht,doppeltes Gewicht, während sich seine abfälligen Äußerungenaus seiner Parteistellung unschwer erklären.
Einer Familie entsprossen, welche die entschlossensten Führerder Arrabbiaten und Compagnacci stellte, stand Philipp Nerli, derin seinen „Erläuterungen der inneren Ereignisse der StadtFlorenz 18 " die Zeit von 1215—1537 behandelt, parteipolitischParenti nahe. Mit einer für einen Nerli überraschenden Unbefan-genheit schildert er die Tragödie des Propheten, über den sichauch Jakob Pitti 19 in seiner „Florentinischen Geschichte" mitmaßvoller Besonnenheit ausspricht. Den Gipfel leidenschaftlicherGehässigkeit erklomm der Chronist Peter Vaglienti, der die Ge-schicke seiner florentinischen Vaterstadt von 1492—1513 auf-zeichnete 20 . Die Vaglienti standen in nahen persönlichen und ge-schäftlichen Beziehungen zu den altangesehenen Familien Tos-canelli, Dei und Gianfigliazzi und hatten in Florenz wie in PisaHäuser 21 . Über seine sonstigen Verhältnisse ist uns nichts Näheresbekannt. Wir wissen nur, daß er einen Sohn Johann hatte, dersich auf einer genuesischen Galeere befand. Um ihn zu erlösen,bat er nicht bloß die Signorie um ihre Fürsprache, sondern wandte