Druckschrift 
2 (1924) Das Streben
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

goo

DIE ZEITGENÖSSISCHEN QUELLEN

Frate an seine Mutter, Geschwister und Freunde, die er, vierzehn anZahl, mit lehrreichen Anmerkungen veröffentlichte 9 , wie er aucheine stattliche Reihe von Urkunden, meist Schreiben der Signorie,der Zehn und der Gesandten in Rom, erstmals ans Tageslichtbrachte 10 . Isidor del Lungo gab die Berichte der mailändischenGesandten Paul Somenzi und Franz Tranchedin 11 , Anton Cappellidie nicht weniger belangreichen des ferraresischen BotschaftersManfred de' Manfredi 12 heraus. Noch viel reichhaltiger war dieAusbeute an Dokumenten kostbarster Art, mit welchen PasqualeVillari sein bekanntes verdienstliches Werk über den Frate aus-statten konnte. Alexander Gherardi benützte die einzigartige Ge-legenheit, die ihm seine bevorzugte Stellung als Beamter desflorentinischen Staatsarchivs bot, zu jahrelangen, gründlichenStudien, die ihn instand setzten, die Savonarolaforschung miteiner ungeahnten Fülle wichtigsten urkundlichen Stoffes zu be-reichern 13 . Sosehr nun auch all diese Gelehrten aus dem vollenschöpften, so vermochten sie die überlieferten Urkundenbeständedoch immer noch nicht zu erschöpfen. Noch immer versprichteine Nachlese Ertrag. Eine solche unternahm der Verfasser diesesWerkes im Mailänder Staatsarchiv und konnte zu seiner Freudeden von Villari und Del Lungo bereits gedruckten Stücken desauf den Frate bezüglichen Briefwechsels des Herzogs Ludwig desMohren, seines Bruders, des Kardinals Askanio Sforza, der mai-ländischen Gesandten Somenzi und Tranchedin wie anderer her-vorragender Persönlichkeiten noch manche Schreiben beigesellen,die bei der Darstellung benützt und in den Anmerkungen ver-zeichnet wurden.

Hinter den amtlichen Schreiben und Gesandtschaftsberichtenstehen an Quellenwert die Nachrichten keineswegs zurück, diewir den zeitgenössischen Tagebüchern und Geschichstwerken ver-danken. Die Palme gebührt unstreitig dem vermöglichen Kauf-mann Peter Parenti (14501519), der durch seine MutterKatharina Strozzi in nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zudiesem berühmten Geschlechte stand 14 . Zeit- und Altersgenossedes Frate, kannte er diesen persönlich 15 . Er hatte sein Haus inder Cocomerostraße, der heutigen Via Ricasoli, die der Frate aufseinen Gängen von S. Marco in den Dom und zurück benützenmußte. Tag für Tag sah er ihn hier vorüberziehen. Er wohnteseinen Predigten an, er nahm an den hitzigen Erörterungen teil,