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DIE VEREHRUNG DES TOTEN
die bewußte Zusage machte 69 . Freilich durfte er die Großherzogevon Toskana nicht vor den Kopf stoßen, die als Nachkommen derMedici auf den Frate nicht gut zu sprechen waren; und gewißließ der Kardinal Alexander de' Medici nichts unversucht, umden Papst von einem in mediceischen Augen so anstößigen Vor-haben abzubringen, hierin ohne Zweifel aufs kräftigste von Kar-dinal Bellarmin unterstützt, der bei Clemens VIII. in hohem An-sehen stand und auch während seines Aufenthaltes in Ferrara anseiner Seite weilte, Jesuit von der Fußsohle bis zum Scheitel unddaher einer Verherrlichung des Frate von Hause aus abge-neigt 69 ". Der wirkliche Grund lag jedoch in der Untätig-keit und Abneigung der Dominikaner selbst, die in SachenSavonarolas ein schlechtes Gewissen hatten und für ihn nichtleicht etwas Ernstliches taten. Hätte doch seine Kanonisationnicht nur die Preisgabe der früheren Ordensleitung, die seinenTod wesentlich mitverschuldet hatte, sondern auch die Anerken-nung der Reform von S. Marco bedeutet, die mit ihrer strengeni Ablehnung alles persönlichen wie Gemeinbesitzes eine unaufhör-liche stille Anklage gegen Ordensleute bildete, für die solche Grund-sätze ein längst überwundener Standpunkt waren. Darum ver-mochten sie sich für Savonarola nicht zu erwärmen. Ihr Mannwar Antonin, der einst den Gemeinbesitz in S. Marco eingeführthatte; Antonin wurde heilig gesprochen (1523), nicht der Frate.Für ihn hatten sie keinen Platz auf ihren Altären, noch erwiesensie ihm die einer Seligsprechung gleichkommenden Ehren, ob-schon alle Voraussetzungen hierfür gegeben gewesen wären 70 ,nicht einmal in das Martyrologium nahmen sie ihn auf, das aufAnordnung des Ordensgenerals 1604 zu Rom erschien 71 . Überdiese Kälte beklagte sich schon Bernhard von Castiglione in einemkurz vor seinem Tode geschriebenen Briefe 7 *. „In Rom", berichteter hier, „überwacht man die nach Italien eingeführten Bücherstreng. Man legte auf eine nicht geringe Menge die Hand, mit derWeisung an die Inquisitoren: ,Laßt dies und jenes Buch nichtverkaufen!' Die Buchhändler wagen es daher nicht, die Werkezu beziehen, und können die bezogenen nicht an den Mann brin-gen; der Wert der unverkäuflichen Werke beläuft sich bereitsauf Tausende und aber Tausende Skudi. Da ich nun weiß, wie dieDinge stehen, und wie leicht es ist, die Werke des Frate zu unter-drücken, angesichts der Menge seiner Gegner, so gedachte ich