CLEMENS VIII. SAGT DIE HEILIGSPRECHUNG ZU
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treten, war, wie wir uns erinnern, Hippolyts Mutter, der, in derVerehrung des Frate von frühester Kindheit an erzogen, hierindurch seine späteren nahen Beziehungen zu Katharina von Ricciund Philipp Neri erst recht bestärkt worden war. Die Piagnonenbegrüßten seine Erhebung mit Jubel, der sich noch steigerte, alsman erfuhr, der neue Papst habe sich im Gespräche mit Ver-trauten selbst zu den Piagnonen gerechnet und die Absicht ge-äußert, den Frate wieder zu Ehren zu bringen. In Rom, in Flo-renz und in Ferrara verbreitete sich das Gerücht, Clemens VIII.trage sich mit dem Gedanken, ihn in die Liste der Heiligen auf-zunehmen, wenn es ihm gelinge, Ferrara dem Kirchenstaate einzu-verleiben. Als nun der Herzog Alphons II. ohne Erbe gestorbenund sein Land an die Kirche zurückgefallen war, begab sich derPapst mit seinem Hofe 1598 nach Ferrara und hielt sich hier achtMonate lang auf. Von den Ferraresen um Heiligsprechung ihresgroßen Landsmannes gebeten, gab er ihnen zur Antwort: „Legt mirzuverlässige Berichte über sein Leben und seine Wunder vor, anmir soll es nicht fehlen 66 ." Im Jubeljahr 1600, als Gläubige ausaller Herren Ländern in der ewigen Stadt zusammenströmten,traf man auf Schritt und Tritt Bildnisse des Frate an, die ihnals Heiligen darstellten und als „Virgo, Doctor et Martyr" prie-sen. Als solchen hatten ihn, wie wir aus dem Briefe des Kar-dinals Medici sahen, auch schon die Stundengebete (officia) ge-feiert, die in verschiedenen Klöstern am Jahrestage seines Todesihm zu Ehren verrichtet wurden 67 . Gleichwohl wurde aus derHeiligsprechung nichts. Man könnte zu glauben versucht sein, derheftige Streit, der damals zwischen den Dominikanern und Je-suiten über die Wirksamkeit der göttlichen Gnade entbrannt war,habe es vielleicht nicht rätlich erscheinen lassen, die Jesuiten,die durch verschiedene Entscheidungen des Papstes zugunstender Dominikaner ohnehin schon gereizt waren, noch mehr zuverbittern; es wäre zu befürchten gewesen, daß sich der HeiligeStuhl den Vorwurf der Parteilichkeit zugezogen hätte 68 . Wasaber noch wichtiger schien: kam nicht die Heiligsprechung desFrate einer amtlichen Bloßstellung des Papstes gleich, der ihnVerdammt hatte? Dennoch waren es nicht Schwierigkeitendieser Art, die der Kanonisation im Wege standen. Schon Ju-lius IL und Leo X. hatten den Borja unbedenklich geopfert,Clemens VIII. wußte gewiß, was er tat, wenn er den Ferraresen