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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DIE VEREHRUNG DES TOTEN

die List, ihn mit den Zügen eines jungen Mönches dem Tode desheiligen Dominikus anwohnen zu lassen 62 . Um so mehr ärgertees den Kardinal, der zunehmenden Ausdehnung der Savonarola-Verehrung keine Schranken setzen zu können.Dank der Hart-näckigkeit der Brüder von S. Marco", schrieb er an den Großherzogvon Toskana 63 ,lebt das Gedächtnis Savonarolas, das vor 10 bis12 Jahren fast erloschen war 64 , nunmehr neuerdings auf, greiftallenthalben um sich und blüht üppiger denn je zuvor. Sie ver-breiten seine Torheiten unter den Mönchen, Nonnen und Laienund treiben mit den jungen Leuten die verwegensten Dinge. Sieverrichten insgeheim die kirchlichen Tageszeiten zu seinen Ehren,als sei er ein Märtyrer. Sie bewahren, als wäre er ein Heiliger,alle seine Reliquien, selbst Stücke von seinem Galgen, seineKetten, seine Kleider, sein Skapulier, sein Bußhemd, seine Ascheund die den Flammen entronnenen Knochen auf. Sie heben vonihm gesegneten Wein auf, teilen ihn an Kranke aus und erzählenWunder, die damit gewirkt wurden. Sie fertigen sein Bildnis anauf Denkmünzen aus Bronze oder Gold, in Kameen oder inKupferstichen und versehen sie, was noch schlimmer ist, mit derÜberschrift: Martyr, Prophet, Jungfrau und Lehrer. Ich kammeiner Pflicht bisher getreulich nach und schaffte eine große An-zahl dieser Mißbräuche ab. Ich ließ in S. Marco ein Gemälde zer-stören und den Künstler vertreiben, einen gewissen Bernhard vonCastiglione, der in Viterbo starb. Ich verhinderte es, daß manihn in St. Maria Novella unter den Ordensheiligen darstellte undich trat dagegen auf, daß ein Abriß seines Lebens und seinerWunder im Drucke erschien. Ich jagte den Brüdern einen heil-samen Schrecken ein und ließ sie durch ihre Oberen warnen,rügen und züchtigen."

Kardinal Medici vermochte mit seinen kleinlichen Maßregelnum so weniger auszurichten, als 1592 in Clemens VIII. ein Mannden Heiligen Stuhl bestieg, der selbst zu den aufrichtigstenPiagnonen zählte. Hippolyt Aldobrandini war der Sproß einervornehmen florentinischen Familie, die von jeher auf seiten derPiagnonen stand und sich in einer ihrer Töchter, ArchangelaAldobrandini, die Nonne im bekannten St. Lucienkloster war,auf Fürbitte des Frate durch ein Wunder begnadet fühlte 65 . LisaDeti, die wackere Frau, die sich ehedem erboten hatte, den An-griffen des schmähsüchtigen Ambrosius Catharinus entgegenzu-