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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DIE VEREHRUNG DES TOTEN

werden die Winde zerstreuen, und man wird es ins Wasser wer-fen."Hier will ich nichts weiter sagen," bemerkt der Verfasser,der Verstand steht mir still, Hand und Feder sind wie gelähmt."So ist es denn auch kein Wunder, wenn man überall, in jedemDorfe, in jedem Neste, in jedem Hause von ihm spricht; sogarder Sultan Bajazet hielt ihn in hohen Ehren und pries ihn alsPropheten. Gehe nach Spanien und Frankreich und überzeugedich von seinem Ruhme! Sogar nach Indien wurden einige Werkevon ihm gebracht, um übersetzt zu werden, und, damit sie unter-wegs nicht Schaden litten, sorgfältig eingebunden. Zu seinen Be-wunderern gehörte auch Lorenzo de' Medici, dieser gelehrte undweise Mann und zweite Salomon, der ihn so hoch schätzte, daß ernicht ruhig sterben zu können meinte, ohne dem Frate Hierony-mus zuvor die heilige Hand und das Antlitz geküßt zu haben, ähn-lich wie man dies in solchen Fällen den Eltern oder den trautestenFreunden oder heiligen Menschen zu tun pflegt 17 . Nie wurdenvon Päpsten oder Herrschern so viele Bildnisse, goldene und sil-berne Denkmünzen und Kameen angefertigt, nie standen die Rü-cher eines Schriftstellers in solchen Ehren wie die seinigen. Zwarwurde den Gläubigen untersagt, sie zu lesen, aber nicht einmal inRom selbst hält man sich an dieses Verbot.

Ein Hauptherd heißester Savonarolaschwärmerei war das Klo-ster St. Lucia in der Straße S. Gallo zu Florenz, von dem wir wie-derholt zu reden Gelegenheit hatten. Seitdem die Nonnen nach dervollen Strenge der zweiten Regel des heiligen Dominikus lebten,war ein Teil von ihnen, wie wir schon sahen, das Opfer nervöserÜberreizung geworden und hatte Erscheinungen seltsamster Artgezeigt, die zu damaliger Zeit als Merkmale dämonischer Besessen-heit gewertet wurden. Der Frate selbst war bei seinen Lebzeitenvon den Besessenen vielfach verhöhnt und statt als Bruder Giro-lamo als Bruder Giraffe bezeichnet worden. Waren die Anfälleder Schwestern besonders stark, so sandte er den Bruder Domini-kus, der den Dämonen mit Gebet und Segnungen zusetzte. Hatteer weder seinen Freund Dominikus noch sonst einen geeignetenBruder zur Hand, so schickte er den Nonnen seine Bibel und ließden Dämonen gebieten, von den Schwestern abzustehen, die sichdann auch beruhigten 18 . Als er einige Monate vor seinem Todeins Kloster kam, waren es besonders vier Nonnen, die durch ihrsonderbares Benehmen auffielen 18 . Die furchtbaren Ereignisse der