PAULIN BERNARDINI
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Haus zu Haus erwarb und auf kleine Zellen mit niedern Fensternund dürftigster Einrichtung sah 136 . Verehrer des Frate nicht bloßin Worten, sondern auch in der Tat und im Leben, nahm er dieundankbare und, wie es schien, ganz und gar aussichtslose Lastder Verteidigung so gut wie allein auf die Schulter und hinterließeine ausführliche und lebendige Schilderung des ganzen Streites 137 .Zunächst legte er den Kardinälen eine Abhandlung mit dem Nach-weise vor, die Lehre des Frate könne weder als ketze-risch, noch schismatisch, noch auch nur als irrig undärgerlich bezeichnet werden, und wenn sie gleichwohl mit-unter befremdlich klinge, so komme dies daher, daß sievon den Gegnern böswillig entstellt, verdreht und übelausgelegt wurde 138 . Da sich nun die Erörterung allzusehr in dieLänge zu ziehen drohte, so erhielt der AugustinerprokuratorFabian den Auftrag, die verdammenswerten Sätze des Frate inmöglichster Kürze zusammenzustellen, zog sich jedoch durch diehandgreiflichen Textfälschungen, die er sich hierbei zuschuldenkommen ließ, die empfindlichste Beschämung zu. Und nichtbesser erging es Laynez, dem großen Hauptgegner des Frate, dersich besonders über den von diesem gebrauchten Ausdruck „diehurerische Kirche", la chiesa meretrice, entrüstete. Schlagfertigerwiderte Paulin, solche Wendungen seien bei den Predigern nochin der Gegenwart beliebt, ja Laynez selbst habe sich ihrer in einerPredigt nach dem unanfechtbaren Zeugnisse seiner Zuhörer be-dient, worauf dieser in größter Verlegenheit verstummte und dieAugen zu Boden schlug. Paulin verwies überdies auf das Bei-spiel des heiligen Hieronymus, der sich nicht weniger scharf überdie kirchlichen Mißbräuche seiner Zeit ausgesprochen habe; inSachen des Gehorsams und Kirchenbannes aber, worauf sich dieGegner am meisten stützten, berief er sich auf die Erklärung desheiligen Bernhard, man sei dem Papste keinen unbeschränktenGehorsam wider die Liebe schuldig 139 . „Wenn der heilige Bern-hard so etwas sagt," fuhr da der Großinquisitor Ghislieri zornigauf, „so verdient er auch selbst verdammt zu werden." Endlichlegten die Widersacher das Schriftchen Poggio Bracciolinis „Gegenden Erzketzer Hieronymus" vor, das von Paulin ebenfalls inkürzester Frist widerlegt werden konnte.
So leistete Paulin zum Schutze des Frate das Men-schenmögliche, und mit seinen Bemühungen verbanden