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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DIE VERFOLGUNG DES TOTEN

was ehedem der Frate über den Kirchenbann schrieb, mit neuenGründen bekräftigt und sogar behauptet, seit Sixtus IV. gebe eskeinen rechtmäßig gewählten Papst mehr. Ich wundere michdaher nicht wenig, daß sich der Heilige Vater der Brüder vonS. Marco so sehr annimmt, die doch nur die Abkömmlinge einesKetzers sind, den man in Deutschland als den Vorläufer Luthersansieht. Somit gebe ich mit meinem Vorgehen gegen die Möncheauch kein schlechtes Beispiel; machten es doch zum Heile desPapstes und Heiligen Stuhles mehr Leute so, man hätte dann wohlkein Konzil nötig! Es ist auch nicht richtig, daß ich mich, wiemir der Papst vorhält, mit der Vertreibung der Brüder in Dingeeinmische, die mich nichts angehen. Denn ich verfolge sie nichtals Ordensleute, sondern als gefährliche Unruhestifter, die sich,um ja in allem den Fußtapfen ihres Frate zu folgen, unaufhörlichin alle möglichen staatlichen und öffentlichen Angelegenheitenund selbst in die Bechtssprechung einmengten. Vergeblich be-schwerte ich mich hierüber beim Kardinal Burgos, der, ohneAhnung, wie schwer sich ein Staatswesen tut, das sich mit solchenals Mönche verkleideten Teufeln abbalgen muß, ihrer mönchi-schen Scheinheiligkeit nur zu leicht zum Opfer fiel." Wie sehrsich jedoch Cosimo auch Mühe gab, seine Anordnung aufrecht-zuerhalten 118 , so sah er sich doch angesichts eines Breves, dasihn mit dem Kirchenbanne bedrohte, falls er die Brüder nichtbinnen drei Tagen zurückberufe, zur Nachgiebigkeit gezwungen.Die Brüder zogen daher am 6. Dezember 1545 wieder in ihr Klo-ster ein und erfreuten sich bald auch der Almosen wieder, dieihnen auf Betreiben des Herzogs entzogen worden waren.

So heftig nun auch der Kampf war, der sich gegen das Anden-ken des Frate seither im Laufe der Jahrzehnte entsponnen hatte, die giftigsten und gefährlichsten Angriffe standen erst nochbevor und gingen wieder von S. Marco selbst aus. Als Leo X.gegen Ende des Jahres 1515 nach Florenz kam, befand sich einjunger Bechtsgelehrter in seiner Begleitung, der 1484 zu Sienageborene Lancellotto Politi. Der Piagnone, der ihm Herberge ge-währte, gab ihm die Predigten und andere Bücher des Frate zulesen, die ihm, wie er später selbst sagte, keinen geringen Trostbereiteten und wie Perlen und kostbare Edelsteine erschienen.Er lernte daraus vieles über die christliche Lehre, was ihm ganzfremd war, da er sich bisher immer nur mit weltlichen Studien