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DIE VERFOLGUNG DES TOTEN
freudig begrüßten Tode Hadrians VI. als Clemens VII. den HeiligenStuhl bestiegen hatte, zog einen neuen Regierungsumschwungnach sich. Wiederum ward das Banner der Volksherrschaftund Freiheit entrollt und Nikolaus Valori zum Gonfaloniere er-wählt, der sich ganz besonders auf die noch immer zahl- undeinflußreichen Piagnonen stützte. Mächtiger denn je zuvor er-blühte der Glaube an die Heiligkeit und Prophetie des Frate, wieehemals füllten sich die Klostergänge S. Marcos mit ratheischen-den Bürgern, und die Brüder, an erster Stelle Bartholomäus vonFaenza, stiegen zu neuen Ehren empor 107 . Am liebsten verkehrteder Gonfaloniere selbst mit ihnen, der überhaupt alles unter-stützte und förderte, was zum Ruhme des Frate gereichte. In derSitzung des großen Rates vom 9. Februar 1527 trug er sogareine Predigt von ihm Wort für Wort vor und stellte den An-trag, Christus den Erlöser wiederum zum Könige von Florenzauszurufen — ein Vorschlag, der mit überwältigender Mehrheitzum Beschlüsse erhoben wurde; eine Marmortafel über demHaupttore des Signorenpalastes war ihn zu verewigen bestimmt 108 .Als nun der Papst die unbotmäßige Stadt zum Gehorsam zurück-zuzwingen trachtete und durch seine und kaiserliche Truppen hartbelagerte, war es namentlich ein Mönch von S. Marco, Zacha-rias von Fivizzano, der die Bürger zu heldenhafter Ausdauer er-mahnte 109 , und dasselbe tat Benedikt von Fojano, Prior vonSt.Maria Novella, ein großer, stattlicher, gelehrter, beredter Mann 110 .Kaum war nun aber die Stadt trotz tapferster Gegenwehr in dieGewalt des Siegers gefallen, als die Brüder seinen Zorn zu fühlenbekamen. Zacharias vermochte sich nur durch schleunige Fluchtzu retten, während Benedikt unter Mißhandlungen aller Art erstin Florenz eingekerkert und dann nach Rom ausgeliefert wurde,wo er in den Verließen der Engelsburg an Hunger und Schmutzelend zugrunde ging, nachdem er sich vergebens erboten hatte,die lutherische Ketzerei zu widerlegen 111 . Zugleich wurden dieletzten Reste der ehemaligen Kongregation von S. Marco beseitigt.Um auch nicht einmal ihren Namen mehr übrigzulassen, be-schloß Clemens VII., sie der Lombardei einzuverleiben, ließ sichhiervon dann zwar abbringen, aber nur, um am 27. Oktober 1530eine reformierte römische Provinz zu errichten, der er die bis-herige tuszische Kongregration samt S. Marco eingliederte 112 . DenBrüdern blieb nur die'Wahl, sich entweder der reformierten Pro-