VERBOT DER RELIQUIEN DES FRATE
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Volkstümlichkeit und Beliebtheit dieses Gedankens, die aus derPredigt des Frate, in welcher er eine nebensächliche und unter-geordnete Rolle spielt, nicht zu erklären ist. Schon daraus er-hellt, wie ungerechtfertigt es ist, die Verantwortung für die mas-senhafte Verbreitung der prophetischen Predigt und Prediger demFrate aufzuhängen 102 . So gewiß Peter Bernhardin aus seinerSchule hervorging, so wenig hatte Theodor, mochte er sich nochso oft auf ihn berufen, mit ihm zu tun 103 ; um die Aussprücheeines Mannes im Munde zu führen, braucht man nicht sein Jün-ger zu sein. Daß Franz von Montepulciano nicht mit ihm zusam-menhing, liegt auf der Hand. Von Franz von Meleto ist nicht ein-mal sicher, ob er den Frate jemals gehört hat; wohl aber wis-sen wir, daß er schon in Konstantinopel lebhafte Religionsgesprächemit den dortigen Juden pflog, durch die er auch ohne den Fratezur emsigen Beschäftigung mit den alten Zeiten kam. Der Um-stand allein schon, daß nicht bloß die christlich-abendländische,sondern auch die jüdische und islamitisch-morgenländische Weltin fieberhafter religiöser Aufregung, in der bangen Erwartungbaldiger gewaltiger Dinge 104 lebte und bebte, beweist aufs klarste,daß sie nicht das Werk eines einzelnen Mannes war. So war auchSavonarola nur ihr begeistertster Wortführer, nicht ihr Schöpfer;aber als die Verkörperung der religiösen Ideale der Zeit war erGegenstand einer Verehrung, die diese Sehnsucht immer nochnährte und steigerte und daher von den kirchlichen Behördenimmer wieder verpönt wurde, ohne je unterdrückt werden zukönnen. Der florentinische Inquisitor Gerhard aus dem Fran-ziskanerorden befahl zwar im Februar 1515 die Auslieferung derAsche, Zähne, Gebeine, Bildnisse und Schriften des Frate. Gleich-wohl gelang es ihm nicht, den Glauben an die Heiligkeit des Frateauszurotten, denn, meldet der Chronist 105 , immer noch war dieZahl jener sehr groß, die ihm aus religiösen oder politischenGründen anhingen, und da dies der mediceischen Regierung miß-fiel, so schritt sie mit strengen Maßregeln ein. Um die Piagnonenauch in S. Marco selbst nicht mehr aufkommen zu lassen, ordneteder Ordensgeneral Thomas de Vio an, es dürfe fürderhin keinPiagnone mehr als Prior dieses Klosters bestätigt werden 106 .
Die verrottete mediceische Bastardwirtschaft, welche sich inFlorenz breitgemacht hatte, seitdem Julius de' Medici, der bis-herige weltliche und kirchliche Herr der Stadt, nach dem in Rom