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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DIE VERFOLGUNG DES TOTEN

tiefer und tiefer. Die Herrschsucht und der Gelehrsamkeits-dünkel begannen sich zu regen, so daß es zu manchen Spaltungenkam und viele ein übles Ende nahmen, sei es, daß sie zu denLombarden übertraten oder eine Hochschule bezogen. So er-kaltete die Liebe vieler und das Himmelsbrot ward nur mehrspärlich gereicht, man hatte es mit einem Worte darauf abge-sehen, immer das Gegenteil von dem zu tun, was zu seiner Zeit ein-geführt war, um sein Andenken aus den Herzen zu tilgen. Seineeifrigsten Anhänger wurden in ferne Klöster mit ungesunder Luftgeschickt, auf daß sie bald stürben. Die Bibel, ehedem die Wonneder Brüder und ihre unzertrennliche Begleiterin, geriet nun wie-der in Vergessenheit, und wer sie noch bei sich trug, wurde ver-höhnt. Die früheren ständigen Unterhaltungen von Dingen Got-tes verwandelten sich in Klatschereien, den Ausgelassenen nannteman einen Freisinnigen, den Frommen einen Heuchler. Wie oftwar die Kongregation in Gefahr, den Lombarden unterworfen zuwerden! Wer vermöchte namentlich die Verfolgung seit Wieder-herstellung der mediceischen Herrschaft zu schildern! Wie oftversuchte man die Brüder zu vertreiben und statt ihrer Lom-barden zu berufen, oder die Wirksamkeit guter Vorgesetzter durchüble Spione lahmzulegen! Und, ach, noch schlimmer alsselbst die Zeit der Verfolgung war die Buhe, besonders seit Leo X.bis jetzt, da viele, sowohl Laien als Ordensleute, Gott und dasfromme Leben vergaßen und nach Würden, Ämtern, Beichtum,Herrengunst und allen Teufelswerken trachteten. Die wenigenGuten aber, die noch übrig waren, durften sich nicht versammelnoder miteinander in Verbindung treten, während die Bösenalle Erlaubnis und Freiheit hatten. Und darumist mein Herztraurig, denn die Krone ist uns vom Haupte gefallen" (KlageliedJer. 5, 16 f.).

Anläßlich seiner Beise nach Bologna, welche Leo X. zumZwecke einer Begegnung mit dem französischen Könige Franz I.unternahm, kehrte er Ende 1515 in seiner Vaterstadt ein, die ihnseit 21 Jahren nicht mehr in ihren Mauern gesehen hatte und mitrauschenden Festlichkeiten empfing. Während seiner Anwesen-heit ließ er die Sonne seiner päpstlichen Huld auch über S. Marcoleuchten. Als er, ins ärmliche Gewand eines Minoriten gehülltund vor der Volksmenge fliehend, das letztemal Einlaß inS. Marco begehrt hatte, war ihm die Pforte verschlossen geblieben.