LEO X.
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ihm die Erfüllung zweier einem Piagnonenherzen ganz besondersheiligen Wünsche in Aussicht stellte, die Dogmatisierung der be-fleckten Empfängnis Mariens und die Heiligsprechung Savona-rolas 77 . So verlockend diese Aussichten waren — als echte Söhneihres der römischen Kirche bis zum letzten Atemzuge treu ergebe-nen Meisters standen Bartholomäus und seine Freunde so festauf römischem Boden, daß sie trotz der glänzendsten Verspre-chungen nicht zum Anschlüsse an die schismatischen Kardinälezu bewegen waren, vielmehr diese aufs entschiedenste bekämpftenund so nicht wenig zum Scheitern ihrer Bestrebungen beitrugen.Natürlich konnte diese Haltung nicht ohne Eindruck auf Julius IT.bleiben, und so hatte Johann Franz Pico von Mirandola, der beiihm in hoher Gunst stand und mit Bartholomäus enge befreundetwar 78 , kein schweres Spiel, beim Papste noch in letzter Stundedie Zurückziehung jenes die Rückkehr S. Marcos zu den Lom-barden verfügenden Breves zu erwirken 79 .
So groß der Jubel war, mit welchem die Nachricht von derThronbesteigung Leos X. von den Freunden der Medici begrüßtwurde, so gemischt waren die Gefühle, mit welchen sie von denPiagnonen aufgenommen wurde, für welche sie eine wahreHiobspost bedeutete. Mit den Medici erlangten die Gegner derPiagnonen nicht nur am Römischen Stuhle, sondern auch inS. Marco selbst die Oberhand; Lauheit und Verweltlichung, Ehr-sucht und Ämtergier rissen in bedenklichem Maße um sich. Unterden Scharen unternehmungslustiger Florentiner, die nunmehr dieStraßen nach Rom füllten, um am Hofe ihres prachtliebendenLandsmannes ihr Glück zu machen, befanden sich auch Brüdervon S. Marco, so Zenob Acciajuoli, der spätere vatikanische Biblio-thekar, und Marian Fetti, der zum Hofnarren des Papstes empor-stieg. Ein Mann, der die traurigen Zeiten seit dem Tode desFrate selbst miterlebt hatte, entwarf ein düsteres Bild des unauf-haltsamen Verfalls der ehemals mustergültigen Klosterzucht. „Esregnete Vorschriften und Verbote 80 , man durfte nicht einmalseinen Namen nennen, und wer dawider handelte, mußte fastenbei Wasser und Brot. Man sammelte die roten Kreuzchen undseine Bildnisse, zerbrach sie, warf sie auf den Abort und büßteihre Besitzer. Seine Bücher wurden verboten, das Ordenskleidwurde länger und weiter und aus feinerem Stoffe hergestellt, dieZucht ließ nach, denn wer das Kleine mißachtet, sinkt allmählich